Test-Fahrt Chicco Multiway Evo Buggy

Klar: Hauptsache er fühlt sich wohl!
Klar: Hauptsache er fühlt sich wohl!
Die erste Fahrt mit dem neuen Buggy Multiway Evo von Chicco fühlte sich an, als wäre ich sieben Monate lang mit gefederten, Halt gebenden und schweren Wanderschuhen durch die Gegend gezogen und hätte jetzt nur noch leichte Sneakers mit dünnen Sohlen an. Ich brauchte ein paar Tage, um mich an ihn zu gewöhnen. Der „alte“ Kinderwagen stand schließlich noch zuhause und blinzelte mich immer an, ob er nicht doch bleiben dürfte. Durfte er nicht. Nach dem „Nachruf“ auf den Bergsteiger Capri kommen hier meine ersten Eindrücke zum Buggy inklusive späterer Ergänzungen.

Gleich vorab: Mir ist völlig bewusst, dass es sich hierbei um einen Buggy handelt, um nicht mehr und nicht weniger. Außerdem ist mir der Preis bewusst, den wir bezahlt haben (119 Euro). Kriterien für den Kauf waren die Größe der Räder, die Federung des Fahrgestells, vorhandenes Zubehör, Design, verstellbare Rückenlehne, Gurt-System, Gewicht, Größe im zusammengeklappten Zustand und wie einfach der Buggy sich überhaupt zusammen- und wieder auseinanderklappen lässt – also ganz schön viel und noch ein bisschen mehr. Was ich eventuell im Folgenden bemängle ist teilweise der Unvereinbarkeit von Wünschen geschuldet.

Fahrkomfort

Auf dem Schotterweg stelle ich für eine ruhigere Fahrt die Vorderräder fest.
Aller Anfang ist schwer: Ein kleiner Weg, den ich nie als große Herausforderung betrachtet hatte, stellte sich auf der ersten Testfahrt als Schotterweg heraus, es ruckelte gehörig. Ist ja klar: Ein kleines Baby braucht viel mehr Polsterung und Federung als ein Kind, das schon sitzen kann. Das macht sich natürlich im Gewicht bemerkbar. Glücklicherweise lassen sich die Vorderräder des Chicco Multiway Evo feststellen, so war die Fahrt gleich viel ruhiger. Die Griffe waren da schon ein anderes Thema. Nach einer halben Stunde suchte ich immer noch die richtige Position für meine Hände. Der Grund: Ich war eine verstellbare Lenkstange gewohnt, keine nach innen gebogenen Lenkgriffe.

Ich bin ja nicht groß – 1,68 Meter –, dennoch trat ich zu Beginn einige Mal gegen die Räder, die hinten näher zusammen liegen als beim Kinderwagen. Ich fragte mich schon, wie jemand Größeres, mit längeren Beinen und breiterem Schritt, damit klar kommen sollte. Am selben Tag noch traf ich eine Freundin, die Wochen zuvor auf einen anderen Buggy umgestiegen war und das Problem kannte. Sie beruhigte mich, dass man sich schnell umstelle. Und sie behielt recht. Nur wenn ich darauf achte, stolpere ich noch in die – für einen Buggy recht großen – Räder.

Flache Bordsteinkanten sind für den Buggy kein Problem. Auf der aufwärts fahrenden Rolltreppe ist er sogar um einiges bequemer zu halten als der größere Kinderwagen, weil Vorder- wie Hinterräder auf den Stufen stehen können. Schwerer ist es im Supermarkt. Der Reifenabstand hinten und vorne ist quasi gleich groß, das erschwert etwas das Navigieren. Obwohl er nur halb so schwer ist, oder vielleicht gerade deshalb, lässt sich der Evo nicht so schön auf der Stelle drehen wie der schwerere Capri. Die sich einzeln drehenden Räder kommen sich schon mal in die Quere, wenn das eine nach innen und das andere nach außen schaut. Aber die drei Stufen in den Hausflur hinein sind sehr viel angenehmer zu nehmen.

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Der Buggy ist merklich weniger gefedert als der Kinderwagen. Auch Schrittlänge und Handhaltung mussten wir anpassen.
Ein- und Ausstieg im Bus und in der Straßenbahn waren positiv ereignislos. Die Fußbremse ist sehr leichtgängig. Das finde ich besonders wichtig, wenn ich aus öffentlichen Verkehrsmitteln aussteigen will – zwischen Halt und Weiterfahrt nur ein paar Sekunden Zeit. Ich hoffe nur, dass sich die Bremse nicht ebenso leicht von selbst löst. Die Vorderräder sollte man feststellen, wenn man nicht beim Wagen stehen bleibt. Update: Die Bremse löst sich in der Tat von selbst. Es ist also nicht möglich, den Wagen alleine im Bus stehen zu lassen und sich mit Baby weiter wegzusetzen, da er sich bei stärkerem Bremsen des Busses oder in Kurven der Buggy selbstständig macht. 

Laut Hersteller eignet sich der Chicco Evo Multiway auch für Feldwege. Ja, man kommt schon von A nach B. Aber das ist eine holprige und mit der Zeit auch mühsame Angelegenheit. Wenn ich dann aber an so manchem Stadt-Buggy vorbei fahre, mit Reifen so klein wie am Barbie-Auto, dann habe ich wohl doch aufs richtige Pferd gesetzt.


„Fahrgastbereich“

Neuer Buggy - die Wildschweine stört der ungewohnte Anblick nicht
Neuer Buggy – die Wildschweine stört der ungewohnte Anblick nicht.
Junior scheint es in seinem neuen Wagen sehr gut zu gefallen, zumindest ist er still und aufmerksam. Es ist nur eine Sitzrichtung möglich.

Ich hatte bereits in anderen Testberichten gelesen dass sich das Verdeck vielleicht verziehen lässt, wenn das Kind die Rückenlehne bewegt. Ob das so ist werde ich sicherlich bald selbst herausfinden. Update: Ja, das ist wahr. Ich sehe aber auch nicht ein, Junior im Liegen festzugurten, wenn er eigentlich sitzen will. Was ich schnell sehen konnte war, dass der Stoff des Verdecks in der Liegeposition nicht bis zur Rückenlehne reicht. Dadurch kann es ziemlich zugig werden. Dieser Windschutz lässt sich über einen Reißverschluss auch ganz abtrennen.
Im Sonnenschutz eingebaut ist ein getöntes Fenster, über das das Kind hinaus oder die Eltern hinein sehen können. Das Verdeck macht auf mich immer noch einen recht instabilen Eindruck, als müsste man es erst gerade klopfen. Auf dem Bild hier sieht man, wo der Stoff mangels Spannung eine Dulle ergibt. Update: Nachdem wir im Sommer das Verdeck ein paar mal abgenommen hatten, mussten wir beim erneuten Zusammenbau sorgfältig arbeiten, damit  die Spannung des Bogens das Verdeck nicht von selbst vom Wagen löste.

Die Rückenlehne lässt sich angenehm einfach und nur mit einer Hand in drei Stufen einstellen, allerdings nicht ganz flach oder ganz steil. Was ich ganz gut finde, ist, dass sich das Verdeck ganz nach vorne ziehen lässt. So lässt sich das Kind einfacher vor tief stehender Sohne und auch mal vor allzu neugierigen Blicken schützen.

Die Gurte sind mit kleinen Reflektoren versehen. Das reicht einem Sicherheitsfan wie meinem Vater bestimmt nicht aus, um den Buggy auf die Straße zu lassen, aber es ist ein Anfang. 😉 Bei dm haben wir schließlich schon einen blinkenden Reflektor besorgt. Update: Aufgrund dessen, dass die Sitzfläche recht kurz ist und die Fußstütze sich auch nicht hochstellen lässt, muss Junior immer mit Gurt fahrten, damit er nicht in den Sack oder einfach unter dem Bügel durchrutscht.


Zubehör

Zum Zubehör des Buggys gehören ein warmer Fußsack sowie ein Regenschutz. Die kleinen Hände blieben im Fußsack an einem verregneten Herbsttag schön warm – allerdings ist die Befestigung nichts für schwache oder ungeübte Nerven. Mit steifen Fingern im Winter könnte das schwierig werden. Was mir am Regenschutz gleich aufgefallen ist, dass eher kein Fensterchen besitzt. Das bedeutet: Ist der Regenschutz zugezogen, kommt man nicht ans Kind heran, und Frischluftzufuhr ist auch nur über die Seiten möglich.

An der Rückseite des Verdecks/ Sonnenschutzes befindet sich eine abnehmbare kleine Tasche, ähnlich dem Organizer den ich mir zu unserem Kinderwagen gekauft hatte. Dieser hat dennoch nicht ausgedient, weil nur hier mein überdimensionierter Geldbeutel Platz findet. 😉

Unter der Sitzfläche befindet sich ein kleiner Korb, der zum Beispiel bis zu drei Kilogramm Einkäufe beherbergen kann. Es versteht sich von selbst, dass das Volumen eingeschränkt ist, wenn die Sitzfläche zurück geklappt wird. Wenn mehr mit soll, beispielsweise ins Schwimmbad, braucht Mama eben einen Rucksack. Am Lenker gibt es noch eine Vorrichtung, an die sich etwas mit Maximalgewicht von 500 Gramm hängen lässt. Wenn man mal genau hinsieht, gibt es eine ganze Menge Dinge, die dieses Kriterium erfüllen, z.B. das sperrige Klopapier. 😉


Ausblick

Ich frage mich schon, wie es sein wird, mit diesen Buggy Zug zu fahren. Erinnert ihr euch an die tolle Sitzplatzkonstruktion, die ich mithilfe des Sportwagen Aufsatz ist vom Bergsteiger Capri geschaffen habe? Die ist natürlich nicht mehr möglich. Allerdings kann Junior mittlerweile schon so gut sitzen, dass er die Konstruktion vielleicht gar nicht mehr brauche. Zum Schlafen müssen wir uns etwas Neues einfallen lassen.

Und wie gut wird er in verschiedene Autos passen? (Teste und berichte ich später)


Ausgepackt

Der Chicco Multiway Evo in Blau kam in einem sehr kompakten Paket, das ich leicht alleine die Treppe hinauf tragen konnte. Zusammen geklappt misst der Buggy laut Hersteller nur 114 cm x 39 cm x 35 cm bei weniger als 8 kg Gewicht. Vermutlich wäre sein Aufbau sehr einfach gewesen, ich griff dennoch auf die sehr sparsame Anleitung zurück. Diese enthält mehr Warnungen als Instruktionen! Ich werde sie hoffentlich nicht oft benötigen. Die Räder kamen erstmal zum Auflüften auf den Balkon.


Sonstiges

Wenn der Weg eben ist und keine Kurven kommen, lässt sich auch dieser Buggy mit einer Hand führen – unglaublich wichtig, um Nachrichten auf dem Handy zu schreiben und zu lesen. 😉 Oder einen Regenschirm zu halten. Ich gehe dafür gern neben dem Buggy nehme die linke Hand an den rechten Lenker.

Habt ihr euch schon mal gefragt „Warum haben Buggys und Kinderwägen Doppelräder?“? Die Antwort ist einfach: Die insgesamt acht Räder am Fahrgestell können sich unabhängig voneinander drehen und so kleine Unebenheiten besser ausgleichen. Hängt ein Rad in der Luft, kann der Nachbar einspringen.

Leseempfehlung

Wer vor dem Kauf eines Buggys steht, dem helfen vielleicht die Fragen auf dem Blog Just be Kids weiter: http://jubeki.de/buggys-dinge-auf-die-man-vor-dem-kauf-achten-sollte/

Und wenn ihr euch gar fragt, ob es nicht ganz ohne Buggy geht, dem empfehle ich Fünf Situationen, in denen die Trage den Buggy schlägt – mit Kleinkind auf und jenseits des Kreuzfahrt-Schiffes zu lesen.

 

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8 Kommentare Gib deinen ab

  1. kinder unlimited sagt:

    ich denke, ein Buggy ist eine Stadt-kurze Zeit-schnell-ins-Auto-werf-Lösung für ein älteres Kind und eigentlich nicht mit einem gemütlichen KiWa vergleichbar!

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    1. Klar, da hast du mit deiner Einschätzung recht. Aber es ist auch eine Platzfrage. Kombikinderwagen inklusive aller Aufsätze, die nicht mehr benötigt werden, aufbewahren und zusätzlich noch einen Buggy verstauen? Geht nicht in der Mietwohnung. Vor allem wenn wir bald auch noch Platz für einen größeren Kindersitz brauchen.
      Für die ganz gemütlichen Stunden gibt es ja auch noch die Babytrage. 🙂

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      1. kinder unlimited sagt:

        ich hatte noch einen Hund….ich bin auch schnell auf einen Buggy umgestiegen, aber der ist wirklich nur praktisch auf gepflasterten Wegen und beim Fliegen…sobald man Waldwege geht, ist es fast wie auf einem Kirmeskarussell für die Kinder ;-))

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      2. Welche Art Buggy hattest du? Auch mit großen Doppelrädern? Ich hoffe ja, dass es da schon Unterschiede gibt. Wie ich geschrieben habe: Über so manches Wägelchen lach ich mich fast kaputt. 😉

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      3. kinder unlimited sagt:

        stimmt…ich hatte auch Doppelräder !!, damals verschieden, aber welche weiss ich nicht mehr 😉

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      4. Ich lasse mich also einfach überraschen, was der Chicco noch bereit hält. Am Wochenende gibt’s ne Bewährungsprobe – ich nehme zur Sicherheit die Trage mit.

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      5. kinder unlimited sagt:

        ;-))sehr gute Idee !

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