Krabbelgruppen: was passiert da eigentlich, ab wann ist es sinnvoll?

Zweisamkeit ist was ganz Tolles. Manchmal dürfen es aber auch ein paar Spielkameraden mehr sein.
Zweisamkeit ist was ganz Tolles. Manchmal dürfen es aber auch ein paar Spielkameraden mehr sein.

Was macht eine Vollzeit-Mama den ganzen Tag? Ich für meinen Teil spiele mit dem Baby, füttere es, wickle es, wasche es, ziehe es bisweilen dreimal um, gehe mit ihm spazieren, koche ihm etwas, kaufe ein, mache den Haushalt, sauge Brotkrümel weg, helfe beim Einschlafen, sorge dafür, dass es mit Gleichaltrigen zusammen kommt. Klingt spannend, gell? 🙂

Den letzten Punkt finde ich besonders wichtig für seine Entwicklung. Junior ist ein Einzelkind, wie jedes vierte Kind in Deutschland. Ein bis zweimal pro Woche trifft er seine „Wahl-Schwester“, von der ihn gerade mal zwei Wochen Altersunterschied trennen und die er schon quasi seit der Geburt kennt. Er freut sich, sie zu sehen, und umgekehrt scheint es genauso zu sein. Sie lernen, sich aufeinander einzustellen und hoffentlich Rücksicht zu nehmen. Und wir Mütter profitieren von diesen Treffen erst recht. Was zu viert gut funktioniert, wird in der Krabbelgruppe auf die Probe gestellt.

Bei größeren Ansammlungen von Kindern hatte Junior zu Beginn seine Probleme. Ich vermute, es gab so viele Informationen zu verarbeiten, und dass sein kleiner Kopf von den Eindrücken und dem Geräuschpegel einfach überlastet war. Als wir erstmals eine Krabbelgruppe besuchten, war Junior fünfeinhalb Monate alt. Er konnte ein paar Sekunden frei sitzen, sich gut drehen, aber noch nicht robben. Er wirkte wie versteinert, wollte die anderen kaum ansehen, weinte; nach einer Stunde gingen wir wieder.

Jetzt, mit etwas über acht Monaten starteten wir den zweiten Anlauf. Obwohl mit 18 Müttern und deren Kindern die Hütte voll war, blieb er entspannt und interessiert. Und machte relativ schnell klar, dass er alleine klar kommt. Er krabbelte weg, untersuchte Spielzeuge, besuchte andere Babys und Mütter, wechselte auch mal den Raum. Mama war ja immer in der Nähe, wenn sie auch nicht auf jedes Gemotze reagiert. Beim ersten Mal war er einfach noch nicht so weit.

Was passiert in der Krabbelgruppe?

So läuft es in „unserer“ Krabbelgruppe ab: Ab neun sammeln wir uns, gegen Viertel nach neun setzen wir uns auf den mit Matten ausgelegten Boden in einen Kreis und begrüßen singend jedes einzelne Kind mit seinem Namen. Nach noch einem Lied ist schon das freie Spielen – und die Kaffeekanne – eröffnet. Alles, was sonst wichtig ist, wie Wickeln und Füttern, kommt dann natürlich auch an die Reihe. Eineinhalb Stunden später kommen alle wieder zusammen, inklusive der Nachzügler, und es werden wieder ein paar Lieder gesungen und jedes Kind einzeln verabschiedet. Keine große Sache, aber die Kinder lieben es, vor allem, wenn ihr eigener Name fällt. Junior kann mit seinem wunderbaren Namen noch nicht sooo viel anfangen, genießt aber das Gesinge, Geklatsche und Gehopse.

Ich versorge mich zwischendurch mit Kaffee und Breze und widme mich dem Austausch mit anderen Müttern – mit der so genannten Mütter-Olympiade hat das nichts zu tun.

Was bringt’s?

Junior kann sich in der Krabbelgruppe vorsichtig anderenko Kindern annähern, die ihm zu verstehen geben, wenn er zu grob mit ihnen umgeht – er selbst muss erst noch lernen, seine Locken zu verteidigen. Er kann sich abschauen, wie andere krabbeln, sich alleine hinsetzen und ihre ersten Schritte wagen. Er kann schon vor der Zeit in der Kita kennen lernen, dass nicht alle Spielsachen automatisch ihm gehören.

Weitere Möglichkeiten, andere Kinder zu treffen hat Junior beispielsweise bei der wöchentlichen Pilates-Stunde und beim Babyschwimmen.

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. kinder unlimited sagt:

    Ich fand Krabbelgruppen auch immer toll. Nur sollten sie zeitlich nicht mit den Schlafphasen übereinstimmen. Ich war mal in einer, die immer kurz vor seinem Mittagsschlaf war. Dementsprechend ging es nur kurze Zeit gut, dann wurde er knatschig, weil er eigentlich müde war. man sollte nicht unterschätzen, wie anstrengend das für die Kleinen ist! Und wie Du sagtest, manche Kinder brauchen entwicklungsmässig eine Zeit, bis sie sich dem aussetzen mögen. Mach doch mal bitte einen Bericht über die Pilates Stunde, ich habe keine Ahnung, wie die mit Kleinkindern abläuft. LG Ann

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    1. Ja, da haben wir Glück, weil Junior gegen acht nochmal eine halbe Stunde schläft. Sobald ich ihn aber nach der Gruppe in die Trage gepackt hatte, waren seine Augen schon wieder zu. 😉
      Bei Gelegenheit erzähle ich gerne mal vom Pilates!

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      1. kinder unlimited sagt:

        das wäre toll, weil ich es nur für Erwachsene kenne 😉 Aber vielleicht bin ich auch ein Dinosaurier in der Beziehung 😉

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  2. Gruenle sagt:

    Waggerlatreff oder Krabbelgruppe, oder wie die Baby-Mami-Treffen sonst noch heißen sind echt super. Lockere Unterhaltung, Wir-Gefühl, mit Sorgen, Ängsten und Problemen nicht alleine sein – der Austausch mit anderen Müttern ( nicht nur der besten Freundin) tut einfach gut. Einzige Einschränkung: Vorsicht mit Vergleichen. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo, eins krabbelt früher, das andere babbelt eher. Und manche tun keines von beiden, weil sie erst mal in ihren Köpfchen alles bewegen und viel mehr verstehen als andere.

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