Freust du dich schon aufs Büro? – Aufruf zur Blogparade „Wiedereinstieg“

Baby rührt BrotteigDer Countdown läuft. In weniger als zwei Wochen wird mein kleiner Schatz ein Jahr alt! Und damit endet auch meine Elternzeit. Zum Glück hat Junior am Wochenende Geburtstag, sonst müsste ich mir gleich am ersten Tag Urlaub nehmen.

 

Und jeder fragt mich: Freust du dich schon auf die Arbeit?

Was antwortet man nur darauf, wenn die Sehnsucht nach Schreibtisch, öffentlichen Verkehrsmitteln zur Stoßzeit, fremdbestimmter Zeiteinteilung und beruflichem Stress nicht unbeschreiblich groß ist? Nach Einkaufen am Wochenende und nach Feierabend? Danach, das Baby neun Stunden am Tag nicht zu sehen? Zu riskieren, etwas Wichtiges aus seinem Leben zu verpassen? Nach diesem Ziehen im Bauch, wenn die Sehnsucht ganz groß ist und danach, nicht zu wissen, ob er gerade glücklich ist?

Warum bleibst du dann nicht länger zu Hause?

„Herr Doktor, wenn ich hier drücke, tut’s weh.“ – „Dann drücken Sie da doch nicht.“ — So oder so ähnlich kann man auch meine Bredouille zusammenfassen. Wenn du dein Kind sehen möchtest, warum gehst du dann jetzt schon wieder arbeiten – und gleich so viel?

Wirtschaftliche Notwendigkeit?

Mein Mann hat einen guten Job, ich habe Ersparnisse, in Bayern gibt es sogar die Herdprämie. Wären mir Lebensstandard und finanzielle Sicherheit weniger wichtig, könnte ich noch eine Weile zu Hause bleiben. Ich will mich aber nicht einschränken. Ich achte auf unsere Finanzen. Bei größeren Ausgaben recherchiere ich lange online, wo ich etwas am günstigsten bekomme. Ich hadere, wenn ich neue Schuhe „brauche“. Ich kaufe Kinderkleidung auf dem Flohmarkt und stelle nicht mehr Benötigtes bei ebay ein. Aber: Ich will reisen, Wein trinken, ausgehen, mich mit wertbeständigen Dingen umgeben. Ich will ein Polster haben für alle die Wünsche, die ich in Zukunft haben werde, und für Alter oder Krankheit.

Langeweile oder der Wunsch nach Selbstverwirklichung?

Ich habe in der Elternzeit ein Projekt nach dem anderen abgearbeitet, das ist es also auch nicht. In den ersten paar Monaten war keine Zeit für irgendwas. Dann kam der Blog. Fotobücher. Zurück zur alten Figur. Wohnung neu einrichten und auf Vordermann bringen. Mit Freunden treffen. Und so weiter. Und habt ihr gewusst, dass ein kleines Kind einen auch ganz schön auf Trab hält? Berufliche und gesellschaftliche Anerkennung sind ein anderes Thema.

Einsamkeit?

Mama und Baby kuscheln

Ein bisschen Paralleluniversum: Mama und Baby unter sich

Absolut nicht. Ich habe niemals das Gefühl gehabt, allein oder allein gelassen zu sein. Ich glaube, ich habe jetzt ein stärkeres soziales Netzwerk als vor Junior. Mit Baby lernt man so viele tolle Menschen kennen! Im Geburtsvorbereitungskurs, in der Rückbildungsgymnastik, in der Krabbelgruppe, dem Babyschwimmen, auf Reisen. Vor der Geburt hatte ich von Müttern gehört, die sich nach einem Gespräch mit einem Erwachsenen sehnten. Ich hatte befürchtet, mir könnte es ähnlich ergehen. Dem war aber nicht so.

Warum denn dann?

Natürlich ist es eine Frage des Geldes, dass ich mit 30 Stunden wieder einsteige und mein Kind betreuen lasse. Aber bevor jetzt jemand aufschreit, man können die Zeit mit seinem Kind nicht gegen Geld aufwiegen, dem sage ich: Stimmt. Aber Junior und ich brauchen beide die Zeit, die er in der Krippe ist. Er ist so energiegeladen, will immerzu Action und Abwechslung, das kann er zu Hause nicht haben. Würde ich nicht ins Büro fahren, würde ich ihn dennoch in sein Abenteuerland bringen. Er hat ein Recht auf Vielfalt und Förderung.

Irgendwie gehört es auch zu meinem Selbstverständnis einer vermeintlich modernen Frau, gegen Bezahlung arbeiten zu gehen. Dieser Satz klingt nicht nur kompliziert und verkrampft, das ganze Thema ist es. Es gibt viele emanzipierte Frauen, die es nicht nötig haben, ihres Selbstwertgefühls beruflich aktiv zu sein, zu diesen gehöre ich aber nicht. Und schlussendlich gibt es bei meiner Arbeit genügend Aufgaben, die mir schlichtweg Spaß machen! 

Außerdem: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ich glaube nicht, dass der Wiedereinstieg in einem halben oder einem Jahr einfacher wäre.

 


Aufruf zur Blogparade

Ich möchte gerne wissen, wie es bei euch war: Wie habt ihr euch gefühlt, kurz bevor ihr nach der Elternzeit wieder ins Büro gegangen seid? Habt ihr euch gefreut oder hattet ihr Angst? Oder seid ihr zuhause geblieben? Habt ihr euch selbstständig gemacht, um Kind und Job unter einen Hut zu bekommen? Steht euch einer dieser Schritte erst noch bevor? Ich freue mich über einen Link zu eurem Artikel im Kommentar unter diesem Beitrag bis zum 6.3.2016, später gibt es dann noch eine Zusammenfassung von allen. Wenn ihr keinen eigenen Blog habt, kontaktiert mich gerne für einen Gastbeitrag! 

27 Gedanken zu “Freust du dich schon aufs Büro? – Aufruf zur Blogparade „Wiedereinstieg“

  1. Hallo,
    so wie du es siehst und schreibst, – mach´es! Hör auf deine innere Stimme (bzw. hast du ja schon getan). Alles in allem ist die Allgemeinsituation besser als früher – nämlich Familie und Firma, Kind und Karriere, Baby und Beruf besser zu vereinen. Und mit 30 statt früher 40+ Stunden ein guter Kompromiss. Gerade die Abwechslung zwischen „beiden Welten“ ist das Reizvolle. Neugier ist da ein sehr positiver Antrieb ( mehr noch als Freude oder Angst), zu gucken, was sich im Büro inzwischen geändert hat, wie haben sich „die Anderen“ entwickelt, neugierig auch, wie man sich selbst der neuen (Doppel-)Herausforderung stellt. Selständigkeit halte ich für keine gute Option, wenn man vorher einen halbwegs erträglichen Job hatte. Und ich sage nicht, dass es im Frühling einfacher wird, im Gegenteil. Aber man weiß noch mehr, wofür man lebt. Es ist für beide Eltern etwas, was insgesamt zusammenschmiedet. Und Schweißstellen, das wird dir jeder (Kunststoff-)Techniker bestätigen, sind die stabilsten Punkte in einer Verbindung. In diesem Sinne bin ich schon gespannt auf deinen ersten Blog, den du aus dem Büro postest! Einen guten Start!
    Ach, und noch was: Das „Baby in der Kita abgeben“ ist anfangs etwas „blöd“, sprich bisserl schmerzhaft und traurig, so meine Erfahrung, aber ein relativ schneller Gewöhnungsprozess für beide Beteiligten, vor allem wenn Junior am Nachmittag/abends nicht mehr aus der Spielecke mit den Kumpels raus will…

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  2. Pingback: #Blogparade Wiedereinstieg in den Job | Geschwisterwelten

    • Liebe Heike,
      vielen Dank für die guten Wünsche und für deinen Artikel! Ich bin echt froh, dass sich in Sachen finanzieller Unterstützung in der Elternzeit einiges verbessert hat. Sehr interessant zu lesen, wie unterschiedlich es bei deinen Kindern ablief. Alles Gute für euch!

      Andrea

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  3. Pingback: Mein Mini-me

  4. Pingback: Glück und Herzschmerz: Babys erster Monat in der Kita | Life ain't over

  5. Wer eine Vollzeitoma in Griffnähe hat, dazu ein dickes Erbe fürs Alter und Urlaubswünsche dazu viele Spielkameraden fürs Kind, die nicht in die Kita gehen, der kann getrost zu Hause bleiben. Freiberufliche Tätigkeit oder gar ein Gewerbe find ich auch keine so gute Idee. Das ist aus Richtung Steuer und Krankenversicherung, Rentenpunkte ein sehr unsicheres Unterfangen.
    Du sprichst mir aus dem Herzen, wenn du schreibst, dass du deinem Junior sein Abenteuerland gönnst. Kaum dass die Kleinen sprechen und laufen können, zieht es sie eh zu Gleichaltrigen. Wichtig ist es doch einfach, dass die Zeit, die wir dann noch mit unseren Kindern verbringen dürfen, mit Spaß und Herz genutzt wird. Wollte meinen Senf auch ohne Website dazugeben.:-). Wünsch dir ein gutes Eingewöhnen im Joballtag – und wenn du nach zwei Wochen mal 20 Sekunden Zweifel hast, dann weißt du ja, dass das vollkommen normal ist.

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    • Ja, so einfach ist das mit der Selbstständigkeit und der Entscheidung, was das Beste für die Familie ist, nicht. Ich kenne Mütter, die zumindest beim zweiten, aber spätestens beim dritten Kind in die Selbstständigkeit gegangen sind, weil flexible Arbeitszeiten eben immer noch etwas für die PR-Abteilung sind, also nichts, was so einfach in Anspruch zu nehmen ist, wie es beworben wird. Andere Frauen finden nur darin richtig Erfüllung, weil nicht jeder Chef ein Traum ist und die Kreativität in starren Strukturen blockiert wird. Vor allem Frauen, die als Dienstleister, nicht in einem Unternehmen arbeiten, scheinen mir das zu nutzen, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Deutschland hinkt da einfach a bisserl hinterher.

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  6. Pingback: Wiedereinstieg nach Elternzeit | Blogparade-Blogstöckchen

  7. Hallo Andrea,
    vielen Dank für deine Mail und deine Aktion habe ich eben unter http://www.blogparade.guru/2016/02/25/sich-aufs-buero-freuen-wiedereinstieg-blogparade/ bekannt gemacht und ebenfalls über meine Social Media Kanäle promotet. Das sollte dir doch schon ein paar neue Teilnehmer bringen, vermute ich stark mal😉

    Bei weiteren Blogparaden kannst du mir jederzeit gerne Bescheid sagen und ich helfe bei der Promotion!! Dir viel Erfolg damit.

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  9. Hallo liebe Andrea,

    mich treibt das Thema gerade auch um! Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass mein Krümel bereit für den Krippen-Alltag ist – also sollte ich es auch sein! Wobei das natürlich leichter zu schreiben ist, als es auch tatsächlich zu leben:). >> http://kruemel.space/back-in-job/

    Danke für die Blogparade. Dadurch bin ich erst auf deinen Blog aufmerksam geworden – toll, was du in kurzer Zeit hier schon alles geschafft hast! Und wenn ich das sagen darf, ich finde es wunderbar, dass du „posterized“ Bilder von euch zeigst.

    Ganz liebe Grüße
    Jule

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    • Liebe Jule,
      vielen Dank für deinen Beitrag und für deine lieben Worte!❤ Wir stehen fast am gleich Punkt mit vielen Fragen danach, was die Zukunft privat und beruflich bringen wird. Schön, dass du dich schon auf deine Aufgaben in der Arbeit freust, Erfüllung im Job lenkt von der Sehnsucht nach dem Krümel ein ganz klein bisschen ab.

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  10. Pingback: Babys erste Geburtstagsparty | Life ain't over

  11. Pingback: Neue Blogparade: Wiedereinstieg in den Job » Blogger United

    • Super, und das obwohl du so viel um die Ohren hast!
      Echt krass, wie familienfreundlich so manches Unternehmen ist – gerade dann, wenn man „nur“ Dienstleister in einer Agentur ist. Ich wünsche dir weiterhin das allerbeste und dass du bald auf den passenden Arbeitgeber stößt!
      😘

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