Glück und Herzschmerz: Babys erster Monat in der Kita

Baby spielt in der Kita

Wer arbeiten geht, braucht jemanden bei dem sein Kind währenddessen glücklich und sicher untergebracht ist. MIttlerweile gibt es für jedes Kind ab einem Jahr einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Ich bin sehr froh darüber, dass ich mich nicht schon vor dieser gesetzlichen Neuerung danach umsehen musste. Dadurch wurden so viele neue Plätze geschaffen. Ein mulmiges Gefühl blieb trotzdem. Wusstet ihr, dass Kinder ein Recht auf Förderung, Eltern aber kein Recht auf Arbeiten haben? Ist ein bisschen verwirrend, zumal Betreuungsplätze bevorzugt an die vergeben werden, die arbeiten gehen müssen, weil sie beispielsweise allein erziehend sind. Zumindest in den Vormerk-Formularen in München ist das so.

Meine Arbeit ist aber nicht der einzige Grund, warum Junior in die Kita geht. Das könnt ihr nochmal hier nachlesen: Freust du dich schon aufs Büro? – Aufruf zur Blogparade “Wiedereinstieg”

Kita-Platz in der Großstadt – möglich, garantiert, aber doch ein großes Glück

Schon ein Vierteljahr vor der Geburt besuchten und trugen wir uns bei insgesamt 15 Krippen ein; bei den einen lieber als bei den anderen. Der städtische „Kita-Finder“, der für mehr Transparenz und eine einfachere Vermittlung sorgen sollte, funktionierte so gar nicht – mittlerweile läuft das Nachfolgemodell „Kita-Finder +“ etwas besser. Bis zum September hatten wir also 13 Absagen und 2 „na-schaun-mer-mal“.

Nach unserer Kreuzfahrt im Januar ging für Junior dennoch der Ernst des Lebens los: Anfang Oktober, ziemlich genau 100 Tage vor Beginn der Eingewöhnung bekamen wir doch noch in unserer Wunsch-Krippe zum Wunsch-Termin einen Betreuungsplatz. Die Freude war erstmal groß: Habt ihr eine Ahnung, wie schwer es in München ist, nicht nur eine „Aufbewahrung“, sondern auch noch einen schönen Platz mit sympathischen Erziehern zum bezahlbaren Tarif und das auch noch in der Nähe zu finden? Das unmögliche Dreieck! (Bingo! :-))

Trennungsangst

Natürlich freuten wir uns sehr über die gute Nachricht. Erst ein paar Tage nach dem Anruf traf es mich mit ziemlicher Wucht, was das bedeutet. Auf einem Date mit meinem Mann rechnete ich laut durch, mit wie vielen Stunden ich wieder einsteigen würde, wann unser Kind jeden Morgen in die Kita und wann er wieder nach Hause gehen würde; das war zumindest eine 40-Stunden-Woche. Ich reagierte ein bisschen panisch, aber das war nötig und nachvollziehbar. Mein Mann hätte an dieser Stelle meine Entscheidung unterstützt, zu Hause zu bleiben. Vielen Dank dafür, Schatz. 😉

Wer öfter mal auf meinem Blog vorbeischaut, weiß, dass ich kein Problem damit habe, Junior für ein paar Stunden aus den Augen zu lassen: Nach drei Monaten war er im Hotel schon in der Kinderbetreuung, jetzt passt die Oma einmal pro Woche auf, manchmal auch die anderen Großeltern, Onkel oder Tante. Trotzdem kann ich es auf dem Rückweg nie erwarten, meinen Sohn wieder in den Arm zu nehmen.

In den darauf folgenden Wochen konnte ich mich an den Gedanken gewöhnen, mein Kind los zu lassen und mit Sicherheit auch etwas zu verpassen. Und auf der Kreuzfahrt verbrachten wir nochmal ganz viel Zeit zu dritt.

Eingewöhnung

Flur in der KitaJunior war sofort begeistert von der Einrichtung. Er zeigte keine Schüchternheit gegenüber anderen Müttern, Kindern und den Erziehern. Das war mir ja eigentlich schon klar, nachdem er sich bereits in der Krabbelgruppe unabhängig auf Entdeckungstour begeben hatte (Krabbelgruppen: was passiert da eigentlich).

In den ersten Tagen blieben wir immer nur kurz, ich blieb beim Spielen dabei, anschließend verfiel Junior in einen komaähnlichen Schlaf. Schon am fünften Tag ging ich das erste Mal kurz nach Hause. Nach zwei Wochen begann der kleine Mann erstmalig zu protestieren, wenn Mama den Raum verließ, so wie die Gruppenleiterin es prophezeiht hatte. Nach zweieinhalb Wochen blieb Junior problemlos von halb acht bis drei in der Kita. Natürlich musste er auch schon früher als geplant wieder nach Hause. Schließlich hat ein Baby in diesem Alter mehr zu verarbeiten als „nur“ die Trennung von der Mama und den Kontakt mit neuen Bezugspersonen: Erkältung, Zähne, Entwicklungssprünge, Schlafdefizit, neues Essen …

Wer sein Kind in die Krippe bringt, gibt ihm nicht nur Zugang zu viel Platz, Abwechslung, Spielzeug und Kontakt zu anderen Kindern, sondern auch zu einer bunten Vielzahl an ständig wechselnden Keimen und Bakterien. Wir hätten uns wohl mehr gefreut, wenn Junior uns das erste selbst gemalte Bild mit nach Hause gebracht hätte, so war es eben eine schöne Erkältung, die uns zwei Wochen beschäftigte, und eine Bindehautenzündung, gegen die wir Erwachsenen uns wehren konnten.

Status Quo

Ein Monat nach dem ersten Tag in der Kita fühlt Junior sich dort sehr wohl. Wenn wir in die Garderobe gehen, um die Jacke abzulegen, kann er es gar nicht erwarten, von meinem Schoß wegzukommen. Er spielt noch nicht mit anderen Kindern, dafür ist er noch zu klein, hat aber keine Berührungsängste. Rücksichtnahme und Durchsetzungsvermögen wird er in den nächsten beiden Jahren sicherlich hier besser lernen als daheim.

Den Brei aus dem Gläschen hat er schon vorher immer mehr verachtet. Er isst mit den anderen ganz normales Essen, allerdings noch nicht so elegant mit dem Löffel in der eigenen Hand. Auch hier gilt aber: Wenn er es bei anderen Kindern sieht, wird er wohl auch selbst schneller lernen. Sobald sich die Türen zwischen den einzelnen Gruppen öffnen, wechselt er. Der „Arbeitsalltag“ strengt ihn noch sehr an, weil er extrem aufmerksam ist und sich nicht freiwillig eine Pause gönnt. Er darf aber schlafen, wann immer er müde ist. Überhaupt bin ich erleichtert, wie wichtig seine individuellen Bedürfnisse genommen werden.

Er weint etwa 20 Sekunden, wenn Mama oder Papa zur Tür gehen, lässt sich aber schnell ablenken. Nach fünf Wochen hat er es sich angewöhnt, morgens niemandem mehr zu erlauben, den Raum zu betreten oder zu verlassen, ob nun die eigenen Eltern, Erzieher oder Erwachsene, die er nicht kennt. Blöd, dass man als Baby so wenig Macht hat und alle tun, was sie wollen.


Mama währenddessen sucht sich schon mal die besten Verkehrsverbindungen von der Kita zur Arbeit raus, überprüft den Kleiderschrank, hakt alle Termine ab, die sich nur an Werktagen erfüllen lassen und versucht keine Projekte mehr anzufangen, die sich nicht mehr abschließen lassen.

Kinderhand

 

 

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Gruenle sagt:

    Zu der Kita, wie du sie beschreibst kann ich nur sagen:Glückwunsch! Da hätte ich meine auch gerne untergebracht.

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    1. Danke! Manchmal ist Junior gar nicht von dort wegzubekommen. 🙂

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  2. Shanice sagt:

    Super toll geschrieben ❤ LG Shanice

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  3. Barnie. sagt:

    Klasse Foto! Drückt ´ne Menge aus. Halten, loslassen, vertrauen… Und fasst den ganzen informativen und authentischen Text zusammen. Scheint echt eine gute Kita zu sein, bei der ihr das große Los gezogen habt! Glückwunsch! (so eine hätte ich auch gern gehabt 🙂 )

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  4. Gruenle sagt:

    Wie geht es eigentlich inzwischen, Junior noch begeistert, Mami noch nicht vor Trennungsschmerz zerflossen?

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