Zug fahren mit Baby: Kleinkindabteil und Familienbereich im ICE

Baby spielt mit Autos im ZugMit einem kleinen Kind ist keine Zugreise wie die andere, weil es einfach alle paar Wochen in einer anderen Entwicklungsphase feststeckt. Deshalb war ich auch sehr gespannt darauf, wie Junior dieses Mal – mit 12 1/2 Monaten – auf dreieinhalb Stunden Fahrt im ICE reagieren würde; und hoffte inständig, dass wir von Verspätungen, kaputter Heizung oder Toilette und anderen Späßen verschont bleiben würden.

Um den Krimi gleich aufzulösen: Alles lief prima! Das war natürlich wieder guter Planung und etwas Flexibiliät geschuldet – und etwas Glück.

Eigentlich wollte ich für uns drei Plätze im Kleinkindabteil reservieren, stattdessen bekamen wir aber nur noch Plätze im Familienbereich. Habt ihr schon mal was davon gehört? Ich hatte keine Vorstellung davon. Im Endeffekt handelt es sich um einige Sitzreihen, wo sich Familien eher ohne schlechtes Gefühl aufhalten können, mehr ist nicht dran: kein größerer Abstand zwischen den Reihen, kein Malset am Platz, nix, da dürfen auch kinderlose Reisende sitzen (sind dann halt selber schuld ;-)). Aber jetzt mal ehrlich: Nach anfänglicher Empörung fand ich es tatsächlich beruhigend, meinen kleinen Mann nicht in seine Schranken zu verweisen. Natürlich sind Kinder mal laut, aber ich will anderen nicht brutalst auf die Nerven fallen. Hier jedoch lehnte ich mich entspannt zurück, als Junior mit seinen Autos geräuschvoll auf der Rückseite der Vordersitze herumfuhr, sich über die Lautstärke seiner „Lala, Wawa, Dada“-Monologe freute und vielfach über den Gang hinweg von Mama zu Papa und zurück wechseln wollte.

Trotzdem sind ein paar Sitze in der zweiten Klasse nicht zu vergleichen mit den „Premium-Seats“ im Kleinkindbereich. Alleine die Tatsache, dass sich die Tür schließen lässt, ist einiges wert. Zum einen ist es tatsächlich ruhiger, weil weniger Menschen auf einem Haufen sind, und nicht ständig jemand durch den Gang läuft, zum anderen ist mehr Platz, auch auf dem Boden. Das Kleinkindabteil befindet sich auch direkt neben der Behinderten-Toilette mit dem Wickeltisch.

Es ist total doof, dass im ganzen ICE gerade mal sechs Sitzplätze für Familien mit kleinen Kindern vorgesehen sind! Wäre es so teuer, noch mehr einzurichten? Ich wäre für diesen Komfort für Eltern und Kind durchaus bereit, etwas zu bezahlen. Die anderen Reisenden wüssten das vermutlich auch zu schätzen.

DB Familienbereich
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Ich fand schnell heraus, warum wir keine Plätze im Kleinkindabteil bekommen hatten: Es waren noch zwei Sitze frei, ich hatte aber online für drei Passagiere gebucht. Dabei hatte ich angegeben, wie alt Junior ist, und seine Reise inklusive Reservierung war gratis.

 

Wir hielten uns eine Stunde zu zweit im geschlossenen Abteil auf und holten dann unseren ganzen Kram und Papa nach. Im Kleinkindabteil war schon eine andere Familie mit zwei kleinen Jungs (3 und 5), die bereitwillig mit Junior Spielsachen und Essen tauschten. Am Ende der Fahrt fand alles von Dinosaurier bis Magnetschreibtafel wieder zu seinem Eigentümer zurück.

Auf der Rückfahrt schafften wir es leider nicht, umzuziehen, jetzt war das Kleinkindabteil wirklich voll. Also richtete ich so gut wie möglich einen Spielplatz für Junior ein, der sich vom Boden auf seinen Sitz, auf meinen Sitz, über den Gang bis zu Papa erstreckte. Ich hätte mir aber einen größeren Abstand zwischen den Sitzreihen gewünscht. Die erste Reihe im Familienbereich, also die Sitzplätze neben der Tür, haben tatsächlich einen größeren Abstand zur zweiten Reihe.

Während Junior auf der Hinfahrt mit Spielen beschäftigt und ausgeschlafen war, wurde er auf der Rückfahrt ziemlich schnell quengelig. Schließlich saß ihm das Wochenende in den Knochen, und der Kopf schwirrte vor Erlebnissen: fremdes Hotel, andere Stadt, viele Menschen, Besuch im Zoo, Spaß im Schwimmbad und auch noch seine ersten Spielzeugautos, die Freunde ihm nachträglich zum Geburtstag schenkten. Es war klar, dass er mittlerweilse zu groß  ist, um sich einfach auf dem Sitz zusammenzurollen und zu schlafen. Stattdessen packte ich ihn in die mitgebrachte Baby-Trage, verließ den Großraumwagen und nach einer Viertelstunde gingen die Augen zu. Junior blieb die nächsten eineinhalb Stunden vor meinen Bauch geschnallt, wechselte dann zu Papa und schlief auf dessen Schoß nochmals eine halbe Stunde. Zurück in München bekamen wir dann auch noch jede Bahn und jeden Bus, die wir erreichen wollten. Besser konnte es gar nicht laufen. Ich hoffe, das bleibt keine Ausnahme. 🙂

Meine Tipps:

Wenn es mal nicht klappt mit dem Kleinkindabteil, probiert zuerst aus, ob es mit einem Platz weniger auch geht. Krabbler bleiben ja nicht auf ihrem Platz sitzen, man braucht ihn in der Regel aber trotzdem, um das riesige Gepäck und Spielsachen der kleinen Prinzen und Prinzessinnen unterzubringen. Wenn das auch nicht geht, versucht die besagte erste Reihe im Familienbereich zu reservieren.

Nehmt lieber zu viele als zu wenige Spielsachen und Reiseproviant mit, ruhig auch etwas Besonderes. Auf einer mehrstündigen Zugfahrt darf man sich auch mal mit einem Schmankerl „freikaufen“; in unserem Fall ist das ein Früchteriegel.

Habt einen Notfallplan in der Tasche, wie ihr euer Kind zum Schlafen bringen könnt. In unserem Fall ist das entweder eine warme Milch oder die Babytrage. Glaubt mir, ihr wollt euch nicht mehrere Stunden ein Kind antun, das verzweifelt zu schlafen versucht, es aber in dieser Umgebung nicht schafft.


 

Mehr Berichte aus dem Zug gibt es hier: 

Mit 5 Monaten: Baby im Zug – gut so! (Teil 1)

Mit 5 Monaten: Baby im Zug (Teil 2) – Schlafen, Wickeln, Parken

Mit 6 Monaten: Neues aus dem Zug: Sitzplatzkonstruktion fürs Baby und andere Tipps


 

Und hier noch ein Linktipphttp://www.mamaclever.de/2016/01/tipps-zum-bahnfahren-mit-kind-so-wird-die-reise-entspannt/

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11 Kommentare Gib deinen ab

  1. kinder unlimited sagt:

    ich fahre oft mit dem ICE, aber selten sind nur Kleinkinder da, vielleicht liegt es daran, dass es nicht so viele Sitze gibt!

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    1. Viele Familien mit Kindern nutzen lieber das Auto, wie mir scheint.
      Anders die Familie mit den zwei Jungs, die wir getroffen haben: Sie hat sich vorgenommen, ein Jahr lang alle Reisen mit dem Zug zu unternehmen, mit BahnCard. Das Auto kommt im Alltag natürlich noch zum Einsatz (Papa pendelt 50km vom Dorf, Großeinkäufe), aber bei allem darüber hinaus wollen sie testen, ob man Geld – und Nerven – sparen kann.

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  2. Barnie. sagt:

    Der Trend (im Fernverkehr) geht leider immer mehr in Richtung Großraumwagen. Die früheren Abteilwagen (üblicherweise für 6 Personen, früher sogar mit zu Ruheliegen ausziehbaren Sitzen in der 2. Klasse) sind leider eine aussterbende Rasse, auch die neuen ICE 3 und IC4 (BR 412) setzen voll auf Großraumwagen. Hilfreich der Hinweis zu einem „Notfallpaket“ mit Leckerli und Einschlafhilfen. Und vor allem gleich schauen, wo die übernächsten Toiletten sind, falls die nächste mal wieder defekt ist! Weiter gute, störungsfreie Reise.

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    1. Ja, der Hinweis fehlte noch! 🙂 Nur einen zweiten Wickeltisch wird man nicht finden. Da muss man auch darauf vertrauen, dass keiner, der nicht speziell diese Toilette braucht, sie nutzt. Das ist nämlich echt nervig, wenn man mit Kind auf dem Arm warten muss, ob im Zug, am Flughafen oder sonstwo.

      Im Alex kann man noch gut kleine Abteile finden, die sind aber nicht reservierbar, weil Alex nur Regionalzüge betreibt. Auch in Fernzügen gibt es mit Glück noch Abteile. Die sind aber nur sinnvoll, wenn eine Gruppe alleine drin sitzt, weil Platzangebot und Bewegungsfreiheit sonst wieder eingeschränkt ist.

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  3. Grünle sagt:

    Beneidenswert, wie das bei euch lief. Wir hatten auch ganz unterschiedliche Zugerfahrungen,. Ein Abteil ist mit Kindern immer gut. Ich mag das Gefühl nämlich auch nicht, andere zu nerven. Das Amüsanteste, was ich einmal gehört habe war: Warum geben sie dem Kind denn auch so viel Fleisch, kein Wunder, dass es da frech und laut ist. Reaktion auf Dreijährigen mit Schinkenbrot und Brummbrumm-Autos. Ich hoffe, alle die es lesen, können drüber lachen. Ich tu es jedenfalls.

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    1. Das Problem, wenn man im Zug angesprochen wird, ist, dass man sich nicht so ohne Weiteres umsetzen kann, wenn die Person nervt oder unsympathisch ist. Mir tat auf der Rückfahrt ein Polizist außer Dienst sehr leid, der von einer Frau zugetextet und verbal gepiesackt wurde; er blieb trotzdem freundlich.

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  4. Saint Iva sagt:

    Also, von den Kleinkindabteilen habe ich nur Gutes gehört, aber man muss sie sehr lang im voraus buchen, kann das sein?

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    1. Ja, so sieht es aus. Sind sehr begehrt und rar. Wir hatten eher kurzfristig gebucht, deshalb hatten wir wohl kein Glück bei der Reservierung.
      Es könnte im Kleinkindabteil nur noch etwas sauberer sein; Krabbler und Essen …

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  5. Nadine N. sagt:

    Unter „Familienbereich“ hätte ich mir auch mehr vorgestellt. Da könnte man tatsächlich was ändern und eventuell mal einen Tipp zusenden. Aber schön, dass dennoch alles reiblungslos geklappt hat – so hat man es gern.

    Liebe Grüße
    Nadine

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