Gastbeitrag: Mit Wohnmobil und Baby durch West-Kanada: Natur pur und die große Weite

Der folgende Beitrag stammt von Steffi, die mit ihrem Mann und ihrer elf Monate alten Tochter im Camper durch Kanada gereist ist. Freut euch auf über viele spannende Einblicke! Vielen Dank, Steffi, für deinen tollen Erfahrungsbericht, eure „life ain’t over“-Einstellung und die schönen Bilder!

Gastbeitrag_Kanada mit Baby_Steffanie Erler_lifeaintoverdeKanada – ein Land, das mit dem Versprechen der ganz großen Freiheit lockt – das wollten wir erleben, zu dritt, mit unserer elf Monate alten Tochter.

Die Idee war fix, die Frage nach der konkreten Umsetzung beschäftigte uns lange. Wir sind reiseerfahren, aber mit Baby… Das ist noch mal eine ganz andere Sache!

Der ganz normale ReisewahnsinnIm September letzten Jahres ging es für uns von München nach Vancouver. Elf Stunden Flug (die Lufthansa fliegt direkt!), drei große Koffer,  zwei Handtrolleys, zwei Rucksäcke, eine Kraxe, eine Kameratasche und ein Buggy. Hört sich viel an? Ist es auch! Der All-inclusive-Urlaub ist sicher stressfreier, aber ich verspreche Euch, der Aufwand lohnt sich!

Nicht das WO ist entscheidend, sondern das WIE!

Mit Baby durch Kanada_Auf das Outfit kommt es an wind und wetterfestl_lifeaintoverde
Auf das Outfit kommt es an – wind- und wetterfest

Kanada ist für Naturfreunde ein Traum, die Metropole Vancouver bietet dazu einen abwechslungsreichen Kontrast. Von Vancouver aus haben wir uns für die klassische Route durch die Rocky Mountains über Kamloops, Revelstoke bis hin zum Banff und Jasper National Park entschieden, zurück über Clearwater und Whistler.

Es folgte die Fährüberfahrt nach Victoria, Vancouver Island und die Weiterfahrt durch den Pacific Rim National Park bis nach Tofino. Den Abschluss unserer Reise bildete das Sight-Seeing in Vancouver.

Kanadas Straßen sind lang und einsam, die Anfahrten zu den Bergseen und Wanderwegen oft mühsam. Unsere Reise führte uns knapp 4.000 Kilometer über Pass-Straßen und Serpentinen. Den Satz „Mit Kind geht das nicht“ lassen mein Mann und ich nur selten gelten. Letztlich ist es eine Frage der Ausstattung, aber auch des eigenen Wollens beziehungsweise der Belastbarkeit.

In der Trage mit auf den Gletscher

Mit dem Baby auf den Gletscher oder zu den Takakkaw Falls? Mit der richtigen Trage ist das kein Problem und oben angekommen fühlt man sich wie der Held des Tages.

Für diesen Zweck haben wir in eine stabile Rückentrage von Osprey investiert (bei Globetrotter gibt es eine große Auswahl an Tragen und eine fachlich kompetente Beratung, wir haben eine Osprey Poco AG Premium). Voraussetzung für das Tragen in einer Rückentrage ist, dass das Kind wirklich stabil selber sitzen kann. Regelmäßige Pausen sind Pflicht, und das Schlafen ist eher unangenehm. Daher hatte ich zusätzlich unseren Buzzidil XL dabei, dort ist das schlafende Kind besser „verpackt“. Mehr Komfort für den Träger bietet allerdings die Osprey und zusätzlich eine weitaus bessere Aussicht für das Kind. Achtet beim Kauf darauf, dass die Rückentrage in einen Koffer passt. Bei den Deuter-Modellen wird das knapp. Dies kann für euch zusätzliche Kosten für Übergepäck bedeuten.

Letztlich entscheiden nicht so sehr die Gegebenheiten des Landes, ob es sich für Reisen mit kleinen Kindern eignet. Wichtiger ist die Art des Reisens und wie die Familie die dortigen Möglichkeiten nutzt.

Für uns war klar: Wir wollten autark sein, dort bleiben können, wo es uns gefällt und nicht auf Fast Food und Co. angewiesen sein müssen. Das Wohnmobil war daher für uns der perfekte Mittelweg zwischen Mobilität und Komfort fürs Baby.

Ein Zuhause auf vier Rädern

Mit Baby durch Kanada_Campground in Golden_lifeaintoverde
Campground in Golden als temporäres Zuhause

Die erste Nacht nach der Ankunft verbachten wir in einem Hotel nahe des Flughafens in Vancouver. http://www.sandmansignature.ca/hotels/vancouver-airport/

Am nächsten Tag konnten wir unser Wohnmobil (Motorhome C 25) an der Verleihstation abholen. http://www.cruisecanada.com

Autokindersitz – mitnehmen oder vorort kaufen?

Einen Autokindersitz für unsere Tochter kauften wir vor Ort. Davon rate ich allerdings ab, sondern empfehle, den eigenen Kindersitz von zu Hause mitzunehmen. Auf unserer späteren USA Reise haben wir dies so gehandhabt und damit bessere Erfahrungen gemacht. An sich sind Autokindersitze mit deutschem Prüfsiegel in Nordamerika nicht zugelassen. Im schlimmsten Fall zahlt ihr ein Verwarngeld. Die Wahrscheinlichkeit überprüft zu werden ist sicherlich gering. Da erscheinen mir die Nachteile der günstigen kanadischen Sitze weitaus größer. Die Verarbeitung ist dürftig, zum Schlafen sind sie meist ungeeignet, da sie dem Kopf zu wenig Halt bieten. Auch wenn das Mitführen eines Autokindersitzes mitunter mehr Schlepperei bedeutet, zahlt es sich in Punkto Sicherheit letztlich aus.

Vollversorgt im Camper

Die erste Fahrt ging direkt zum nächsten Walmart, um das Wohnmobil zu beladen und sich mit den Grundnahrungsmittel zu versorgen. Windeln und Milchnahrung gibt es in jedem Supermarkt, letztere kostet allerdings gut dreimal soviel wie in Deutschland. Die Auswahl an Babybrei ist gering, für uns der richtige Moment, um unsere Tochter voll am Familientisch mitessen zu lassen.

Die Ausstattung des Campers lässt in der Regel keine Wünsche offen. Besonders babykompatibel erweist sich die Mikrowelle (Achtet darauf ein Wohnmobil mit Generator zu mieten!) und das Spülbecken, umfunktioniert als Babybadewanne. Der hintere Schlafbereich lässt sich durch Vorhänge abtrennen, Mama und Papa können also wunderbar noch draußen am Feuer sitzen oder lesen, wenn das Baby schläft. Auf langen Fahrten kann ein Elternteil hinten beim Kind sitzen und am Tisch kneten, Bücher anschauen oder zwischendurch etwas knabbern. Buggy, Rückentrage und Buddelzeug können sicher im Laderaum verstaut werden und sind unterwegs immer griffbereit. Das Wohnmobil war für unsere Tochter ein riesiger Abenteuerspielplatz… So viele Schubläden und Knöpfe. Am Besten gefiel es ihr allerdings am Steuer.

Cariboos zu Besuch am Spielplatz
Cariboos zu Besuch am Spielplatz

Allgemein ist Kanada ein kinderfreundliches Land und das Campen bietet sich für Kinder definitiv an, da auf den Campingplätzen meist viel geboten ist. Spielplätze, viele andere Kinder und offene, aufgeschlossene Leute vermitteln eine Wohlfühl-Atmosphäre.

Bewusst machen muss man sich jedoch: Allzu groß ist der Komfort nicht! Zum Duschen seid ihr dennoch auf öffentliche Einrichtungen angewiesen, außer ihr wollt jeden Tag eine Dumping Station anfahren oder bezahlt für eine Full-Hook-Up-Platz. Die klimatischen Verhältnisse können zum Problem werden, trotz Heizung und Klimaanlage. Ist es warm, heizt sich das Wohnmobil schnell auf. Die Klimaanlage kostet viel Strom und ist mit Baby auch nicht wirklich angenehm. Die Heizung ist laut und muss manuell geschaltet werden. Es empfiehlt sich daher auf gemäßigte Temperaturen im Reiseland zu achten.

Zudem ist die Wahrscheinlichkeit gegeben bei Wanderungen auf Bären zu treffen. Haltet ihr die Vorsichtsmaßnahmen ein, besteht allerdings kaum Gefahr.

Nach der Reise: Was bleibt?

Erstmal kommt die Freude über ein gemütliches Bett, sauberes fließendes Wasser und mehr Platz für das Baby zum Krabbeln und Laufen; unsere Tochter flog als Krabbelkind nach Kanada und kam als Laufanfängerin zurück. Dann das Abarbeiten des Wäschebergs. Der Benutzung der Waschsalons vor Ort könnt ihr mit Baby übrigens kaum entgehen. Es folgt ein ungemeiner Stolz, sich das getraut zu haben. Und zu guter Letzt das eine oder andere Tränchen, wenn das Kind zehn Monate später auf die Frage „Wohin bist du zum ersten Mal mit Mama und Papa geflogen?“ mit „KANADA“ antwortet.


Steffanie_Whale Whatching in Victoria
Steffanie beim Whale-Watching in Victoria

Gastautorin Steffanie (29) kommt aus München und liebt es, zu lesen, zu reisen, Essen zu gehen und zu fotografieren.

 

 

 

 

 

 

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9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Barnie. sagt:

    Macht Lust auf gleich die nächste Reise!! So eine Reise zu dritt bzw. mehr (bei uns) ist etwas, was für ein Leben lang in (guter) Erinnerung bleibt! Gut der Tipp mit eigenem Autositz und Trage: Kann ich nur bestätigen. Keine Experimente bei solch sicherheits- und Komfortentscheidenden Utensilien!

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  2. Gruenle sagt:

    Ganz schön mutig! Und kaum zu toppen. Das Beste aber ist das Badewaschbecken 😉 Sehr Rücken freundlich.

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  3. Regina sagt:

    Inspirierend 🙂 Und immer dasselbe „mit Kind geht das nicht…“ Wenn es gut organisiert ist, geht alles, oder? Das habt ihr bewiesen. Kanada im Camper steht auch noch auf unserer Bucket List!

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  4. Martin sagt:

    Haben wir auch gemacht. Allerdings war unsere Tochter schon zwei und der Große fast 6 Jahre alt. Definitiv ein fantastisches Land mit superfreundlichen und hilfsbereiten Menschen. Den Satz „mit Kind geht das nicht“ haben wir übrigens nie gehört. Sind mit unseren beiden so gar den Grouse Grind hochgeklettert. Wobei das Schleppen der kleinen Maus schon ein wenig anstrengend war 😉

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    1. Wow, klingt super! Wie lange wart ihr unterwegs? Auch mit Camper?
      Super, dass es so viele offene, abenteuerlustige Familien gibt! 😀

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  5. Marc sagt:

    Hallo,

    Hatten im August diesen Jahres dasselbe, allerdings mit 2 Kindern (fast 2 und 4 einhalb), und haben dieselben Erfahrungen gemacht. Leider hatten wir keine Zeit für Vancouver Island, da unsere Reise one way von Vancouver nach Calgary geplant war.
    Kann nur jedem empfehlen, eine Reise mit Kind(ern) zu unternehmen. Hätte es im Vorfeld nie gedacht, aber es funktioniert – ordentliche Planung vorausgesetzt.

    Gruß
    Marc

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Marc,
      vielen Dank für deine Bestätigung! Ja, ein paar Punkte mehr muss man beachten, aber das trübt nicht den Spaß! 🙂

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