Teenies raus aus dem Kleinkind-Abteil – Neues aus dem Zug

Die Kennzeichnung ist da, aber nicht deutlich genug. Die Glaswand und -tür würde ausreichend Fläche für ein „Kleinkind-Abteil“ bieten. Schließlich kann man sich nicht auf die Rücksichtnahme alleine verlassen.

Heute möchte ich von einem Erlebnis beim Zugfahren berichten: Wir waren auf dem Weg von München nach Frankfurt. Um zu dritt einen Platz im Kleinkindabteil des ICE zu bekommen, wählten wir extra eine andere Zugverbindung. Auf unseren Sitzplätzen saß dann schon eine Mutter mit zwei Söhnen, etwa 12 und 14. Wir erlaubten ihnen, sitzen zu bleiben, weil noch zwei andere Sitze sowie Platz für den Buggy frei war. Bei der Fahrscheinkontrolle stellte sich schon mal raus, dass sie nur ein Ticket für sich selbst hatte, nicht für die Kinder, die noch nichts kosten. Solange der Schaffner noch da war, wies ich sie darauf hin, dass sie den Platz räumen müsse, wenn Familien mit Kleinkindern kommen. Unverständnis. „Da steht doch nix.“ „Doch, neben der Tür sind sechs Reservierungen mit „Kleinkind“.“
Als dann tatsächlich ein zweijähriger mit Vater und Oma auftauchte, machte ich Druck, dass sie Platz schaffen. Von selbst machte sie keine Anstalten. Ich wiederholte, dass das Abteil für Kleinkinder ist.

„Aber das sind doch auch Kinder!“
Das ist so dumm, darauf sollte man nicht antworten.

Als ich mir später einen Kaffee im Bistro nebenan holte, traf ich den Schaffner wieder. Er fragte, ob ich schon ein Spielzeug bekommen hätte – ja, der Sohnemann hat schon fleißig gemalt und ist uns mit dem Zug über die Beine gefahren – und sich dann überraschenderweise bei mir bedankt! Dafür, dass ich die uneinsichtige Frau aufgeklärt habe. Wir redeten noch ein paar Minuten über das Zugfahren mit Kind und er erzählte mir von den Plänen der Bahn, manche ICEs mit Spielplatz auszustatten (da sich der Zug bewegt, müssen noch einige Köpfe rauchen) und von der Kinderbetreuung auf der Strecke Hamburg-Mannheim.

Ich fand es schön zu sehen, dass der Schaffner nicht abgestumpft sein Programm abspult. Es ist halt blöd: Einerseits wird dem Berufskreis der Zugbegleiter zu viel Meckern und Bürokratie vorgeworfen, andererseits müssen sie natürlich dafür sorgen, dass der Betrieb läuft. Und nein – sie können nicht dafür sorgen, dass der Zug schneller fährt!

Mir ist eine Diskussion auch nicht recht, wenn ich mit dem anderen drei Stunden oder mehr auf sechs Quadratmetern verbringen muss.

Allerdings weiß ich, dass viele Eltern sich scheuen, andere Leute rauszuwerfen, auch wenn sie im Recht sind. Vor allem, wenn „die anderen“ auch Eltern sind.


Meine Bitte an

Eltern von Kleinkindern und Babys: Nutzt das Angebot des Kleinkind-Abteils. Auf Nummer sicher geht ihr mit einer Reservierung (Familien-Reservierung für 9 €, mindestens ein Kind im Alter zwischen 0 und 5 Jahren). Wenn ihr keine Reservierung im Kleinkind-Abteil bekommt, kann es daran liegen, dass nur zwei, keine drei Plätze mehr frei sind. Schaut einfach mal vorbei, dort spielt es sich viel besser. Und traut euch – im Interesse eures freiheitsliebenden Kindes – Leute, die kein Anrecht auf die Plätze haben, aufzuklären und den Platz freizugeben.

andere Fahrgäste: Bitte versetzt euch in die mannigfaltige Gefühlswelt und die Ansprüche einer Familie mit Kleinkind, Krabbler oder gar gestilltem Baby hinein. Es ist nicht purer Luxus, dass wir uns in dieses Abteil setzen. Unsere Kinder brauchen Platz, sie bleiben nicht alle brav drei Stunden auf Mamas Schoß sitzen. Sie räubern zwischen den Sitzen hin und her, spielen auf dem Boden, ärgern sich über die (glücklicherweise) geschlossene Tür, schlafen im Buggy, der hier Platz findet, und kommen erfrischt vom Wickelplatz wieder, der sich in der Toilette nebenan befindet. Und nach all dem brauchen sie auch mal ganz viel Ruhe. Jetzt überlegt bitte, ob ihr dieselben Ansprüche habt?

… die Deutsche Bahn: Erleichtert es bitte den Reisenden, das Kleinkindabteil als solches zu identifizieren – ein Schriftzug, eine bunte Illustration oder ein prominent angebrachtes Symbol würden schon sehr weiterhelfen, und zwar flächendeckend in jedem ICE oder IC.

Als Junior noch nicht so gut sitzen konnte, baute ich ihm diesen Sitzplatz mit seinem Buggy-Aufsatz. So hatte er mehr Stütze, Raum und einen Schlafplatz.
Bei den normalen Sitzplätzen spielt es sich schlecht, egal wie viel Mühe sich Mama gibt. Welches Kleinkind kann sich schon eine halbe Stunde auf ein Buch konzentrieren oder mehrere Stunden auf dem zugewiesenen Bahnplatz sitzen?

Weitere Artikel auf lifeaintover.de zum Zugfahren mit Kind:

Baby im Zug – gut so! (Teil 1)

Zug fahren mit Baby: Kleinkindabteil und Familienbereich im ICE

Neues aus dem Zug: Sitzplatzkonstruktion fürs Baby und andere Tipps

 

Weitere Infos zum Kleinkindabteil gibt es auch unter https://www.bahn.de/p/view/service/familie/angebote/kleinkindabteil.shtml

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Barnie. sagt:

    Mit 14 ist jemand kein (Klein-)Kind mehr…. allerdings!
    Sonst sagt noch ein 50-jähriger in Begleitung seiner 80 Jahre alten Eltern, er ist doch auch nur ein Kind :-;
    Zugkennzeichung: „Früher“, bei der deutschen Bundesbahn, waren 1. Klasse-Abteile / Wagen mit einem gelben Strich über den Fenstern gekennzeichnet (bei manchen Regionalzug-Triebwagen noch heute so). „Kinderabteile“ könnten analog mit einem grünen oder rosa oder sonstwie „Bunten“ Farbbalken gekennzeichnet werden. Problem: Diesen Blog liest Herr Grube leider nicht… Trotzdem: Weiterhin Gute Fahrt!

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  2. Gruenle sagt:

    Kompliment und höchsten Respekt für so viel Zivilcourage. Erlebe es oft in nirmalen Zügen, dass Fahrgäste da sitzen, wo eigentlich Platz für Kinderwagen, Rollstuhl ider Fahrrad ist. Wohlgemerkt dort sitzen obwohl normale Sitzplätze frei wären. Da muss man schon tief Luft holen, sie zu bitten den Platz frei zu machen. Ich bin dann auch immer froh, wenn andere Passagiere sich einmischen.

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