Spiel- und Lern-Apps für 1-Jährige – Wortschatz erweitern und rätseln auf Smartphone und Tablet

Ich hatte schon länger die Idee, einen Artikel über Medien zu machen. Es wäre nicht der erste dieser Art, schließlich gab es beispielsweise die Blogparade von Berlin Mitte Mom und Scoyo mit Beiträgen, die die Meinungsvielfalt unter Bloggern bzw. Eltern widerspiegeln. Ganz aktuell und wieder mal sehr informativ  ist auch Nadine von Mama und die Matschhose. Und auch Monika von little-post.com schreibt ganz unaufgeregt und ohne erhobenen Zeigefinger über Medienkonsum im Schulalter.
Ich bin beim Bloggen eher konfliktscheu, und mir schwant schon wieder einiges an Kritik. Dennoch: Ich bin dafür, dass die nächste Generation ganz selbstverständlich lernt, mit digitalen Medien umzugehen, zu verstehen, was hinter den benutzerfreundlichen Oberflächen steckt, meinetwegen sollen sie auch schon in der Grundschule eine einfache Programmiersprache lernen, wie es in Großbritannien oder Estland der Fall ist (siehe Zeit Online-Artikel und t3n-Artikel). Und es geht wie bei allen Beschäftigungen einfach ums rechte Maß. Bei uns ging es einfach etwas früher los als bei anderen – und zwischendurch gar nicht mehr, wenn die Beobachtung zeigte, dass er gerade mit zu vielen (unsichtbaren) anderen Dingen fertig werden musste.
Junior hat ein Smartphone. Es ist mein altes iPhone 5, dessen Kamera er erfolgreich kaputt geworfen hat. Darauf sowie auf den Eltern-Handys und Papas iPad sind mehrere Apps für ihn installiert (iOS). Ich möchte einige Apps vorstellen, die Junior viel Freude bereiten.

Spiele-Apps für Kleinkinder

1. „App für die Kleinsten“

  • Funktion: Tiere, Fahrzeuge und Instrumente kennenlernen
  • Stil: Comic
  • Android / iOS
  • Audio: nötig
  • Beschreibung: Da raschelt es im Gebüsch, scheppert es in der Garage, flattert der Bühnenvorhang oder wackelt die Scheune. Mit einfachem Darauftippen bekommt das Kind zu sehen, was dahinter steckt. Die Animationen sind langsam, die Figuren einfach – genau richtig also. Im sechsten Spiel kann das Kind das Erlernte anwenden und soll aus drei Bildern das Richtige heraussuchen.
  • Schwierigkeitsgrad 0*.

2. „Fiete“

  • Funktion: Aufgaben lösen, Abläufe erkennen
  • Stil: Bilderbuch
  • Android / iOS – Preis: 5,99 € (für vier Apps)
  • Audio: nicht nötig
  • Beschreibung: Mancher kennt Fiete aus den liebevoll Illustrierten Bilderbüchern. Es gibt vier Fiete-Spiele im Paket mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Bei „Fiete Farm“ können Kinder einen fiktiven Tag auf dem Bauernhof durchspielen: Eier aus dem Hühnerstall holen, Schweine putzen und Füttern, Stroh auf den Traktor-Hänger laden, den Katzen Milch geben, die Kuh melken, das Schaf scheren, den Lieferwagen mit den passenden Rohstoffen beladen. Um von einer Aufgabe zur nächsten oder wieder zurück zu kommen, schiebt man die Panorama-Landschaft nach links oder rechts. Bei „Fiete (Original )“ lassen sich Spiegeleier braten, Mini-Memory spielen, Äpfel und Katzen aus dem Baum holen, Marienkäfer mit Punkten bekleben, Socken sortieren, der passende Hut für Fiete finden und einiges mehr. Diese beiden Spiele haben Schwierigkeitsstufe 1 bis 2*.
    Die Fiete-Spiele „Choice“ und „Match“ sind noch zu anspruchsvoll für Junior: Hier muss beispielsweise ausgewählt werden, welches Objekt nicht in eine Reihe passt (z. B. Schaf – Schaf – Apfel) oder ein Memory gelöst werden.

 

 

3. „Zoola Animals“

  • Funktion: Aussehen, Familie und Geräusche von Tieren kennen lernen
  • Stil: Fotos
  • Android / iOS – Preis: 1,99 €
  • Audio: empfohlen
  • Beschreibung: Es handelt sich um mehrere Bildergalerien zu unterschiedlichen Lebensbereichen, beispielsweise Bauernhof, Savanne, Wald, Wassertiere, Vögel und Hunde. Durch Tippen auf ein Tierbild öffnet sich die Großansicht mit Ton. Dort kann man sich weiter klicken zum Jungtier, zum weiblichen und männlichen erwachsenen Tier und zu einem Stimmungsbild mit Musik. Schwierigkeitsgrad 0*.

4. „ColorAndShape“ von Happy Touch

  • Funktion: Farben und Formen lernen
  • Stil: realistisch
  • iOS 
  • Audio: nicht nötig
  • Beschreibung: Kinder können wie bei einem Bauklotz-Puzzle Formen in die passende Maske legen, aber nur zweidimensional. Der Schwierigkeitsgrad variiert von zwei Formen in zwei Farben über x Formen derselben oder unterschiedlichen Farben bis zu Tier-Konturen. Die Formen müssen an die passende Stelle gezogen und dort losgelassen werden, das braucht etwas Übung. Schwierigkeitsgrad 1*.

5. „BabyGames“ von Happy Touch

  • Funktion: Musik machen und Spaß haben
  • Stil: einfache bunte Elemente
  • iOS
  • Audio: ja
  • Beschreibung: Juniors erste iPad-App überhaupt. Die zweite App aus dem Hause Happy Touch enthält mehrere Spieletafeln, mit denen sich musizieren, Auto fahren oder Dreiecke und Kreise in die passende Form stecken lassen. Das Klavierspielen beherrschen schon die Kleinsten, das Autofahren kommt etwas später, ebenso wie das Puzzle. Hase und Schildkröte um die Wette laufen zu lassen, klappt ebenfalls relativ schnell.
  • Schwierigkeitsgrad 0-1*.

Bei den meisten Apps lässt sich erstmal eine Testversion kostenlos herunterladen. In keinem dieser Spiele kann man „verlieren“, es gibt keine Punkte. Wenn etwas nicht klappt, sind unendlich viele Versuche möglich; und zur Feier schmeißen Schwein und Hase auch mal ’ne Party. Es gibt keine In-App-Käufe, allerdings werden im Startbildschirm teilweise Werbe-Buttons für andere Spiele eingeblendet, die das Kind drücken könnte. Die folgende Rechenaufgabe kann es vermutlich nicht lösen, findet aber auch nicht über „Abbrechen“ zurück. Noch ein Grund mehr, warum ein Erwachsener dabei bleiben sollte.

*Schwierigkeitsgrad 0: einfaches Antippen reicht / einfache Formen erkennen Schwierigkeitsgrad 1: Wischen und Platzieren nötig / Auswahl einer richtigen Lösung gefordert. Schwierigkeitsgrad 3+: zu schwer für Junior (z. B. muss eine Schrittfolge korrekt erfolgen, es gibt Spielregeln)

Bemerkungen zur Smartphone-Nutzung durch Kleinkinder

Stelle ich ihn „ruhig“ damit? Ja – in etwa so wie mit einem Wimmelbuch, der Kiste Krippenfiguren, einer Schale Cocktailtomaten oder einer Rolle Tesafilm (-fragt nicht…). Er beschäftigt sich damit. Er kann aber natürlich nicht alles bedienen, er holt sich unsere Hilfe, will unsere Bestätigung, verliert schnell Geduld oder Interesse. Die Apps können nur eine Ergänzung zu anderen Spielen sein. Bestes Beispiel dafür ist das Puzzle: Junior kann Farben und Formen auf dem Display zuordnen; die Herausforderung, die Formen in der richtigen Drehung und im passenden Winkel in oder durch das Negativ zu schieben, lernt er nicht. Vergleicht das so: Malt ein Kind einen Ball, lernt es nicht, ihn zu werfen, zu fangen und zu rollen. Das Malen spricht einfach andere Fähigkeiten an.

In der Süddeutschen Zeitung war kürzlich ein Interview mit André Frank Zimpel, Professor für Lernen und Entwicklung an der Universität Hamburg zu lesen (SZ vom 26.11.2016, „Kinder drehen die Welt um„). Aus diesem Beitrag möchte ich zitieren:

„Aber es gibt ein Problem mit vielen elektronischen Angeboten. Der Witz beim Spielen besteht darin, dass der Impuls aufgeschoben wird. Das heißt, das Kind muss seinen Impuls, gleich loszuspielen, unterdrücken und erst mal etwas schaffen, mit dem es dann spielen kann. Das wird durch Computerspiele unterwandert, weil sie allzu schnell eine Rückmeldung geben, ein Erfolgserlebnis. Man sollte lieber Spiele wählen, die das vermeiden, aber viele Möglichkeiten eröffnen.“

Vielleicht erklärt das, warum Junior mit seinem Tablet von Vtech nicht warm wird. Das reine Blinken und Gedudel hat wohl keine Impulse ausgelöst.

Übrigens: Wir schauen viiiele Bücher aus Papier an, malen mit Fingerfarben und Wachsmalstiften, backen zusammen Plätzchen, wickeln den völlig analogen Pandabären, bauen Höhlen im Kinderzimmer, sammeln Kastanien, machen die Spielplätze der Nachbarschaft unsicher, besuchen Baustellen, toben im Schwimmbad , zweckentfremden Spielsachen … Und so machen es die anderen Eltern auch, die ihre kleinen Kinder mit dem Handy spielen lassen.


Je älter das Kind, desto cooler die Apps und Spiele. Gerade erst bei Stadtlandmama gesehen: Ein Experimentierkasten, um die Basics des Programmieren zu lernen

Noch ein Lesetipp: Vergangenes Jahr gab es eine Blogparade, wie Eltern selbst mit dem Smartphone umgehen. Die Meinungsvielfalt findet ihr bei MamasKind aufgeschlüsselt.

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Ich freue mich über eure Kommentare!

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Tina sagt:

    Du machst das vollkommen richtig! Ich finde es sehr schade, dass man meistens das Gefühl hat, sich rechtfertigen zu müssen, weil man sein Kind mit dem Smartphone spielen lässt.
    Habe da vor einem Weilchen auch schon drüber geschrieben (https://gadgetina.wordpress.com/2016/10/11/digitale-medien-in-der-erziehung/) und bin gerade dabei mich durch ein Buch von Prof. Dr. Manfred Spitzer zu quälen, das sich mit der Thematik beschäftigt.
    Liebe Grüße
    Tina

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  2. Nadine Luck sagt:

    Danke für die Tipps! Da sitzen wir ja gerade am selben Thema :-). Fiete ist so genial! Liebe Grüße, Nadine von http://www.mama-und-die-matschhose.de

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    1. Ja, total! Hat für jedes Alter etwas zu bieten, und ist dabei sehr charmant. 🙂

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