Fünf Wochen Neuseeland mit Kleinkind

Neuseeland ist ein Sehnsuchtsziel für viele von uns. Dass eine Reise durch dieses Träumeland auch mit Kind entspannt möglich ist, hat Barbara bewiesen. Dass wir durch Reisen wirklich tolle Menschen treffen, auch: Wir beide kennen uns vom Flug nach Dubai , waren zusammen mit unseren Babys auf der Aida und sind seitdem Freunde. Viel Spaß mit Barbaras Reisebericht!

[Gastartikel von Barbara Tietz]

Neuseeland mit Kind - Gastbeitrag bei lifeaintoverde.JPG
Du bestimmst unser aller Schicksal, kleiner Mensch.

Neuseeland gilt für viele als das Traumziel, und steht vor allem bei jungen Eltern ganz weit oben auf der Bucket List.

Glasklares Wasser, das Gefühl von purer Freiheit, Strände, so wie man sie noch nie zuvor gesehen hat, atemberaubende Gebirgslandschaften, die zum Wandern einladen, und dann … ein KIND.

Schnell werden die Gedanken vom Traumstrand von den Gedanken an die Marathonflüge abgelöst, aus dem glasklaren Wasser werden die Tränen des schreienden Kindes und zu guter Letzt wird die unendliche Freiheit auf ein zulässiges Maximalgewicht von 70 Kilogramm Gepäck reduziert.

Aber das muss nicht sein. Frei nach dem Motto „life ain’t over“ berichten wir, wie der Traum vom Paradies trotz Kleinkind kein Traum bleiben muss.

Mind Set

Neuseeland mit Kind auf lifeaintoverde (2)Die Reise beginnt im Kopf und ist unserer Erfahrung nach NICHT nur Typ-Sache. Egal welchen Charakter euer Kind hat, es gibt immer Ausreden, etwas nicht zu tun. Entweder ist das Kind zu unruhig, zu laut, oder doch so lieb und zufrieden, dass man es nicht wagen würde, es aus den gewohnten eigenen vier Wänden zu holen. Folglich heißt das nächste Reiseziel immer Ostsee oder Italien (– auch wunderschöne, kinderliebe Urlaubsziele! 🙂 ). Das ist auch ganz im Sinne der Verwandtschaft oder anderen Müttern, die euer Vorhaben als mutig bezeichnen oder euer Verhalten ganz und gar unmöglich finden, weil sich das Kind ohnehin nicht an die Reise erinnern wird.

Neuseeland mit Kind - Fünf Wochen im Wohnmobil.pngWenn diese Reise euer Lebenstraum ist, appellieren wir an euch, nicht sofort aufzugeben. Fragt euch: Was passiert, wenn das worst-case Szenario eintreten sollte und euer Kind nicht bereitwillig fliegt, ihr nicht alle Ausflugsziele sehen könnt oder die Reise komplett anders verläuft als ihr es euch vorgestellt habt? Ist es denn schlimm, wenn nicht immer alles perfekt läuft? Oder kann ich damit leben, dass die Reise ins Ungewisse geht und man sich einfach überraschen lässt, wie die Kinder reagieren, mit dem Wissen, egal was auch kommt, wir finden einen Weg, der für alle passen wird. Auf was kommt es euch bei dieser Reise an?

Habt ihr euch damit auseinander gesetzt? Habt ihr euch trotz aller Herausforderungen, die eine solch lange Reise mit sich bringt, für das Abenteuer entschieden? Gut, dann könnt ihr mit der Planung starten!

Die erste und wichtigste Frage ist unseres Erachtens, wie ihr den Flug nach Neuseeland gestaltet. Dazu solltet ihr überlegen in welcher der folgenden Kategorien ihr euer Kind seht.

Auf dem Flug nach Neuseeland im Babybett_lifeaintoverde

Typ 1: Der Gremlin

Euer Kind fährt nicht gerne Auto und schenkt jeder Stewardess anstelle eines süßem Kinderlächelns tausende von Tränen. Es bezirzt die weiteren Fluggäste nicht mit Engelsgesang, sondern mit stundenlangen Schreikrämpfen. – Don´t Panic. Bucht eure Flüge einfach etappenweise, zum Beispiel von München nach Dubai (6 h) und von Dubai nach Tokio (9,5 h), von Tokio nach Auckland (10,5 h ). Somit müssen können sich eure Kinder auch mal im Hotel ausruhen und sich zwischendurch die Beine vertreten. Auch für die Nerven der Eltern kann ein gemütlicher Schlaf im Hotelzimmer erholsam sein.

Typ 2: Der Jetsetter

Dein Kind hat keinerlei Probleme mit Geräuschpegel einzuschlafen und ist von Natur aus eher in sich ruhend, oder beruhigt sich schnell selbst. Dann würde ich euch einen Flug in nur zwei Etappen, beispielsweise von München nach Hongkong (11h) und von Hongkong nach Neuseeland (11,5h) empfehlen. Der Vorteil ist neben der Zeitersparnis, dass man das ständige Einchecken und die Wartezeiten am Gate umgeht.

Am Flug scheitert es – egal, welchen Typ Kind ihr habt – nicht. Es gibt für alle Kinder eine Alternative. Überlegt einfach, was ihr euch zutraut und welche Variante euer Stresslevel und Mind Set erlaubt. Bucht einen Platz mit extra Beinfreiheit oder Babybett-Möglichkeit. Wenn es euch nicht an Geld fehlt, bucht einen eigenen Sitzplatz für euer Kind (ab dem zweiten Geburtstag braucht ihr ihn eh). Und macht euch nicht allzu viele Gedanken über den Flug. Jedes Jetsetter Kind kann unerwartet zum Gremlin werden und jeder Gremlin zum Jetsetter. Es kommt auf euch an, umso entspannter ihr die Sache angeht umso entspannter wird eure Reise werden.

Routenplanung

Es ist eine gefährliche Sache Frodo, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Straße und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen wohin sie dich tragen.

Ganz im Sinne dieses Mottos stand unsere Reise. Wir haben uns treiben lassen von Eindrücken, den Landschaften, den Menschen, die wir kennenlernten, dem Wetter, und vor allem vom Tempo und den Gewohnheiten unseres Kindes. Wir wollten uns bewusst keine Ziele setzen, die wir in den fünf Wochen erreichen wollten. Zu groß war die Angst vor der Enttäuschung, sein „Ziel“ nicht erreicht zu haben. Auch das war ein wichtiger Aspekt unseres Mind Sets. Im Endeffekt haben wir über 5.000 Kilometer auf dem Tacho gehabt und sind viel weiter gekommen als wir es uns jemals erträumt hatten.

Wir waren mit unseren fünf Wochen knapp bemessen, haben aber auf beiden Inseln wirklich jeden Ort komplett abgefahren.

Tipps:

  • Keine starre Route planen
  • App laden: Rankers Camping NZ (Android / iOS)
  • Nutzt die Schlafenszeit eures Kindes zum Autofahren. Wer es sich zutraut kann auch am frühen Abend bzw. nachts abwechselnd Auto fahren um tagsüber mehr vom erreichten Ort zu haben. Aber auch das ist Typsache. Neuseeland bietet so viel Schönheit, dass man mit gutem Gewissen an einem Fleck bleiben kann um dort seine Seele baumeln zu lassen.

Neuseeland-Reise mit Kind - Schlafen wann immer möglich_lifeaintoverde.JPG

Unsere Hotspots

  • Rotoura heiße Quellen

Hier gibt es für Familien für kleines Geld Entspannung und Urwald-Feeling pur. Der praktische Nebeneffekt ist, dass ihr eure kleinen Abenteurer und Schmutzfinken spielend sauber bekommt. Während ihr ihnen beim Plantschen zuseht, kommt ihr auch mit Einheimischen ins Gespräch, da die Quellen öfter von Schulklassen besucht werden.

  • Hobbington, (selbst bei schlecht Wetter ein Besuch Wert, da dann weniger Besucher vor Ort sind)

Neuseeland mit Kind - Hobbington - Gastbeitrag auf lifeaintoverde.JPG

Neuseeland-Gastbeitrag von Barbara Tietz bei lifeaintoverde.JPG

Wie der Name schon sagt, können sich hier kleine und große Hobbits nur wohl fühlen. Die atemberaubende Landschaft, die mitreissenden und motivierten Guides sowie das selbstgebraute Ginger Beer im Red Dragon machen Hobbington zu einem absoluten Highlight. (Ja, wir lieben Herr der Ringe.)

  • Hot Springs

… waren eine unserer liebsten Haltestellen. Badespaß für Kinder und heiße Whirlpools zur Erholung für die Großen im heilenen Quellwasser – besser geht es nicht.

Hot Springs in Neuseeland_lifeaintoverde.JPG

  • Golden Bay

…  war ihren langen Anfahrtsweg wert. Meilenlange goldene Sandstrände, die zum Buddeln und Entdecken einladen.

Neuseelands Strände_lifeaintoverde.JPG

  • Queenstown

Neuseeland an Silvester_lifeaintoverdeEntspanntes studentisches Flair, mit vielen schönen Restaurants. Weihnachten haben wir uns in einem wunderschönen Park einen „Weihnachtsbaum“ ausgesucht, um dort das Fest als Familie zu feiern. An Silvester fuhr ab Queenstown ein kleiner Dampfer zur Walter Peak Schaf Farm, bei der man viele Tiere ansehen und streicheln kann. Barbecue Lunch oder Dinner dazu unbedingt probieren. Das Warten auf Neujahr haben wir am Stadtpark mit einem kleinen kostenlosen Konzert auf einer großen Wiese verbracht. Vögel für den Kleinen zum Fangen und Hinterher-Rennen inklusive. Das Sylvesterfeuerwerk haben wir am Hafen voller Staunen betrachtet – unser kleiner Abenteurer hat alles verschlafen.

Wohnwagen und Gepäck

Leichtes Gepäck für Neuseeland mit Kind_lifeaintoverde.JPGHier gehen die Meinungen sicherlich auseinander. Es gibt nahezu grenzenlose Modelle und Arten von Wohnwägen. Wir haben uns für den Juicy Chaser entschieden. Dieser lag im Rahmen unseres Budgets und war groß genug, damit wir in den nächsten fünf Wochen samt Gepäck auf engem Raum keinen Lagerkoller bekommen. Der Bus hat vorne drei Plätze, so konnten wir alle nebeneinander sitzen und der Kleine hatte immer was zu schauen. Der Kindersitz im Auto war dazu gemietet. Vor Ort hätten wir unsere Kraxe und einen Buggy dabei.

Neuseeland hat eine gute Infrastruktur. Man bekommt in den größeren Orten alles, was man für den täglichen Lebensbedarf braucht. Somit haben wir auch Windeln, Feuchttücher und das Essen für unseren Sohn vor Ort gekauft. Die Preise sind in etwa mit Preisen in Deutschland vergleichbar.

Die beste Reisezeit ist Dezember bis Februar aufgrund der Temperaturen und Regentage in Neuseeland kannst du an einem Tag jedes Wetter erwischen, somit sollte man auch alles an Kleidung dabei haben.

Im Wohnwagen selbst gibt es nicht viel Stauraum. Ich denke man muss sich früher oder später mit dem Chaos arrangieren. Die eigenen vier Wände kommen einem nach so einer Reise auf jeden Fall wieder riesig vor. Wir haben uns vor dem Rückflug nach Deutschland noch eine Nacht im Hotel gegönnt. Die heiße Badewanne und das Kingsize Bett haben dazu beigetragen, dass wir unseren Rückflug erholt antreten konnten.

Neuseeland mit Kind bei lifeaintoverde (1)Neuseeland mit Kind bei lifeaintoverde (2)

Fazit zur Reise

Die Zeit mit Kind ist definitiv eine andere, jedoch auch die Zeit von großen Abenteuern. Und Neuseeland bietet die größten Abenteuer überhaupt. Wenn es nach meinem Mann geht können wir auch noch an den Gardasee fahren, wenn wir tot sind. Ich würde es diplomatischer wie folgt ausdrücken: lifeaintover – lebt euren Traum.



Über die Autorin

Barbara TietzBarbara Tietz ist 27 Jahre alt, zweifache Jungs-Mama und wohnt mit ihrem Mann in München. Nach einer Ausbildung als Erzieherin studiert sie jetzt Rechtswissenschaft.

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Ein Kommentar

  1. Gruenle sagt:

    Toll, so viel Power und Mut fürs Abenteuer! Da kriegt man echt Lust loszufahren, egal, wie alt die Kinder sind.
    Alles ist machbar, wenn man es wirklich will.
    Ich find den Artikel auch toll geschrieben. Ehrlich und authentisch mit allen Widerständen und diesen herrlichen Kinder-Charakteristiken in Bezug auf die Flugreise.
    Klasse, dass ihr es durchgezogen habt und euch nicht irritieren liest.
    Bei uns gab es schon Aufstände der Großeltern, als wir mit unseren drei Mädels eine Woche lang per Rad um den Lago Maggiore gefahren sind.
    Kritiker gibts überall und für jedes Vorhaben, das nicht dem reinen Mainstream folgt.

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