Gastbeitrag: Mit Wohnmobil und Baby durch West-Kanada: Natur pur und die große Weite

Der folgende Beitrag stammt von Steffi, die mit ihrem Mann und ihrer elf Monate alten Tochter im Camper durch Kanada gereist ist. Freut euch auf über viele spannende Einblicke! Vielen Dank, Steffi, für deinen tollen Erfahrungsbericht, eure „life ain’t over“-Einstellung und die schönen Bilder!

Gastbeitrag_Kanada mit Baby_Steffanie Erler_lifeaintoverdeKanada – ein Land, das mit dem Versprechen der ganz großen Freiheit lockt – das wollten wir erleben, zu dritt, mit unserer elf Monate alten Tochter.

Die Idee war fix, die Frage nach der konkreten Umsetzung beschäftigte uns lange. Wir sind reiseerfahren, aber mit Baby… Das ist noch mal eine ganz andere Sache!

Der ganz normale ReisewahnsinnIm September letzten Jahres ging es für uns von München nach Vancouver. Elf Stunden Flug (die Lufthansa fliegt direkt!), drei große Koffer,  zwei Handtrolleys, zwei Rucksäcke, eine Kraxe, eine Kameratasche und ein Buggy. Hört sich viel an? Ist es auch! Der All-inclusive-Urlaub ist sicher stressfreier, aber ich verspreche Euch, der Aufwand lohnt sich!

Nicht das WO ist entscheidend, sondern das WIE!

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Auf das Outfit kommt es an – wind- und wetterfest

Kanada ist für Naturfreunde ein Traum, die Metropole Vancouver bietet dazu einen abwechslungsreichen Kontrast. Von Vancouver aus haben wir uns für die klassische Route durch die Rocky Mountains über Kamloops, Revelstoke bis hin zum Banff und Jasper National Park entschieden, zurück über Clearwater und Whistler.

Es folgte die Fährüberfahrt nach Victoria, Vancouver Island und die Weiterfahrt durch den Pacific Rim National Park bis nach Tofino. Den Abschluss unserer Reise bildete das Sight-Seeing in Vancouver.

Kanadas Straßen sind lang und einsam, die Anfahrten zu den Bergseen und Wanderwegen oft mühsam. Unsere Reise führte uns knapp 4.000 Kilometer über Pass-Straßen und Serpentinen. Den Satz „Mit Kind geht das nicht“ lassen mein Mann und ich nur selten gelten. Letztlich ist es eine Frage der Ausstattung, aber auch des eigenen Wollens beziehungsweise der Belastbarkeit.

In der Trage mit auf den Gletscher

Mit dem Baby auf den Gletscher oder zu den Takakkaw Falls? Mit der richtigen Trage ist das kein Problem und oben angekommen fühlt man sich wie der Held des Tages.

Für diesen Zweck haben wir in eine stabile Rückentrage von Osprey investiert (bei Globetrotter gibt es eine große Auswahl an Tragen und eine fachlich kompetente Beratung, wir haben eine Osprey Poco AG Premium). Voraussetzung für das Tragen in einer Rückentrage ist, dass das Kind wirklich stabil selber sitzen kann. Regelmäßige Pausen sind Pflicht, und das Schlafen ist eher unangenehm. Daher hatte ich zusätzlich unseren Buzzidil XL dabei, dort ist das schlafende Kind besser „verpackt“. Mehr Komfort für den Träger bietet allerdings die Osprey und zusätzlich eine weitaus bessere Aussicht für das Kind. Achtet beim Kauf darauf, dass die Rückentrage in einen Koffer passt. Bei den Deuter-Modellen wird das knapp. Dies kann für euch zusätzliche Kosten für Übergepäck bedeuten.

Letztlich entscheiden nicht so sehr die Gegebenheiten des Landes, ob es sich für Reisen mit kleinen Kindern eignet. Wichtiger ist die Art des Reisens und wie die Familie die dortigen Möglichkeiten nutzt.

Für uns war klar: Wir wollten autark sein, dort bleiben können, wo es uns gefällt und nicht auf Fast Food und Co. angewiesen sein müssen. Das Wohnmobil war daher für uns der perfekte Mittelweg zwischen Mobilität und Komfort fürs Baby.

Ein Zuhause auf vier Rädern

Mit Baby durch Kanada_Campground in Golden_lifeaintoverde

Campground in Golden als temporäres Zuhause

Die erste Nacht nach der Ankunft verbachten wir in einem Hotel nahe des Flughafens in Vancouver. http://www.sandmansignature.ca/hotels/vancouver-airport/

Am nächsten Tag konnten wir unser Wohnmobil (Motorhome C 25) an der Verleihstation abholen. http://www.cruisecanada.com

Autokindersitz – mitnehmen oder vorort kaufen?

Einen Autokindersitz für unsere Tochter kauften wir vor Ort. Davon rate ich allerdings ab, sondern empfehle, den eigenen Kindersitz von zu Hause mitzunehmen. Auf unserer späteren USA Reise haben wir dies so gehandhabt und damit bessere Erfahrungen gemacht. An sich sind Autokindersitze mit deutschem Prüfsiegel in Nordamerika nicht zugelassen. Im schlimmsten Fall zahlt ihr ein Verwarngeld. Die Wahrscheinlichkeit überprüft zu werden ist sicherlich gering. Da erscheinen mir die Nachteile der günstigen kanadischen Sitze weitaus größer. Die Verarbeitung ist dürftig, zum Schlafen sind sie meist ungeeignet, da sie dem Kopf zu wenig Halt bieten. Auch wenn das Mitführen eines Autokindersitzes mitunter mehr Schlepperei bedeutet, zahlt es sich in Punkto Sicherheit letztlich aus.

Vollversorgt im Camper

Die erste Fahrt ging direkt zum nächsten Walmart, um das Wohnmobil zu beladen und sich mit den Grundnahrungsmittel zu versorgen. Windeln und Milchnahrung gibt es in jedem Supermarkt, letztere kostet allerdings gut dreimal soviel wie in Deutschland. Die Auswahl an Babybrei ist gering, für uns der richtige Moment, um unsere Tochter voll am Familientisch mitessen zu lassen.

Die Ausstattung des Campers lässt in der Regel keine Wünsche offen. Besonders babykompatibel erweist sich die Mikrowelle (Achtet darauf ein Wohnmobil mit Generator zu mieten!) und das Spülbecken, umfunktioniert als Babybadewanne. Der hintere Schlafbereich lässt sich durch Vorhänge abtrennen, Mama und Papa können also wunderbar noch draußen am Feuer sitzen oder lesen, wenn das Baby schläft. Auf langen Fahrten kann ein Elternteil hinten beim Kind sitzen und am Tisch kneten, Bücher anschauen oder zwischendurch etwas knabbern. Buggy, Rückentrage und Buddelzeug können sicher im Laderaum verstaut werden und sind unterwegs immer griffbereit. Das Wohnmobil war für unsere Tochter ein riesiger Abenteuerspielplatz… So viele Schubläden und Knöpfe. Am Besten gefiel es ihr allerdings am Steuer.

Cariboos zu Besuch am Spielplatz

Cariboos zu Besuch am Spielplatz

Allgemein ist Kanada ein kinderfreundliches Land und das Campen bietet sich für Kinder definitiv an, da auf den Campingplätzen meist viel geboten ist. Spielplätze, viele andere Kinder und offene, aufgeschlossene Leute vermitteln eine Wohlfühl-Atmosphäre.

Bewusst machen muss man sich jedoch: Allzu groß ist der Komfort nicht! Zum Duschen seid ihr dennoch auf öffentliche Einrichtungen angewiesen, außer ihr wollt jeden Tag eine Dumping Station anfahren oder bezahlt für eine Full-Hook-Up-Platz. Die klimatischen Verhältnisse können zum Problem werden, trotz Heizung und Klimaanlage. Ist es warm, heizt sich das Wohnmobil schnell auf. Die Klimaanlage kostet viel Strom und ist mit Baby auch nicht wirklich angenehm. Die Heizung ist laut und muss manuell geschaltet werden. Es empfiehlt sich daher auf gemäßigte Temperaturen im Reiseland zu achten.

Zudem ist die Wahrscheinlichkeit gegeben bei Wanderungen auf Bären zu treffen. Haltet ihr die Vorsichtsmaßnahmen ein, besteht allerdings kaum Gefahr.

Nach der Reise: Was bleibt?

Erstmal kommt die Freude über ein gemütliches Bett, sauberes fließendes Wasser und mehr Platz für das Baby zum Krabbeln und Laufen; unsere Tochter flog als Krabbelkind nach Kanada und kam als Laufanfängerin zurück. Dann das Abarbeiten des Wäschebergs. Der Benutzung der Waschsalons vor Ort könnt ihr mit Baby übrigens kaum entgehen. Es folgt ein ungemeiner Stolz, sich das getraut zu haben. Und zu guter Letzt das eine oder andere Tränchen, wenn das Kind zehn Monate später auf die Frage „Wohin bist du zum ersten Mal mit Mama und Papa geflogen?“ mit „KANADA“ antwortet.


Steffanie_Whale Whatching in Victoria

Steffanie beim Whale-Watching in Victoria

Gastautorin Steffanie (29) kommt aus München und liebt es, zu lesen, zu reisen, Essen zu gehen und zu fotografieren.

 

 

 

 

 

 

Familientaugliche Kabine 4290 auf dem Kreuzfahrt-Schiff AidaPrima

Vom 13. bis zum 20. August 2016 waren wir mit unserem 17 Monate alten Sohn auf der AidaPrima (Route „Metropolen Europas“) unterwegs. Eigentlich hatten wir angedacht, bereits im Januar das neue Flaggschiff in der Flotte von Aida zu testen – die japanische Werft konnte dem Zeitplan aber nicht gerecht werden. Jetzt möchte ich euch unsere Kabine auf der AidaPrima vorstellen. Zum Vergleich findet ihr hier unsere Kabine auf der kleineren AidaStella: Babytaugliche Kabine 4209 auf dem Kreuzfahrtschiff Aida Stella

Unsere Kabine hatte 24 Quadratmeter und kam mir sehr groß vor. Durch ein schlaues Konzept hat man das Gefühl, drei Räume zur Verfügung zu haben: den großen Schlaf- und Wohnbereich, das Bad und den begehbaren Kleiderschrank – jippie! Alternativ zum begehbaren Kleiderschrank kann man auch Kabinen mit zwei Waschbecken im Bad wählen.

Im Raum steht ein hohes Doppelbett mit einem Nachttisch zu jeder Seite sowie einem Baldachin. Richtung Fenster gibt es ein ausziehbares Sofa, auf dem auch ein größeres Kind schlafen könnte. Dem gegenüber hängen ein Wandregal und ein großer Fernseher und steht ein Schreibtisch mit Stuhl. Einen Teil des Sofas haben wir zum Wickelplatz umgebaut (Tipps auch unter Hotelzimmer für drei anpassen). Zwischen Sofa und Schreibtisch stand vor dem Fenster schon das Babybett bereit, das sich an einer Seite per Reißverschluss öffnen ließ.

Neben dem Eingang führt eine kleine Stufe zum Nassbereich. Das Bad bietet ausreichend Stauraum für eine dreiköpfige Familie auf einer einwöchigen Kreuzfahrt. Unter dem Waschbecken und über der Toilette befinden sich viele Fächer, an den Wänden viele Handtuchstangen und -haken. Es besteht eigentlich keine Gefahr, dass etwas ins WC fällt, weil man gezwungen ist, den fies knarzenden Deckel immer zu schließen, um die Spülung zu betätigen. Die Dusche ist bodentief und mit einer Glaswand und -tür abgetrennt.

Zwischen Bett und Bad ist der seeehr geräumige, begehbare Kleiderschrank. Hier haben die Koffer, der Safe, die gesamte Garderobe und – wie ich von anderen Gästen gehört habe – ein Buggy Platz. Außerdem finden sich dort die Rettungswesten für Erwachsene – mehr zur Rettungsübung auf dem Kreuzfahrtschiff: Baby nimmt’s gelassen.

Unser Sohnemann störte sich nur daran, dass sich die Türen zu Bad und Wandschrank  selbst wieder schlossen, was auf einem Schiff natürlich sinnvoll ist – zudem eine Gefahr für die Finger Juniors. Nach ein, zwei Tagen hatte er es aber >halbwegs< akzeptiert, wenn wir aus seinem Blickfeld verschwanden. Davon abgesehen, nahm er die Kabine schnell als temporäres Zuhause an. Praktisch: Im schwimmenden Hotelzimmer gibt es so gut wie keine Ecken, an denen sich der laufende Meter stoßen könnte.

Kleinkind träumt am Kabinenfenster der Aida Prima

Junior schaute gerne aus unserem großen Fenster aufs Meer oder in den Hafen.

Auf den Decks 4 und 5 haben die Außenkabinen keine Balkone, sind dafür natürlich günstiger. Wir haben den Balkon aber nicht vermisst, weil wir ein großes Fenster mit tiefem Fensterbrett hatten, wo das Meer richtig schön nahe zu sehen war. Wir haben die Balkonbesitzer nicht beneidet, da einige Balkonkabinen direkt an den Besucherwegen liegen oder direkt darüber. Auch hatten wir den Eindruck, dass ein nicht unerheblicher Teil diese Unterkunftsart zum bequemen Rauchen wählt und wir so gar nicht auf Zigarettengeruch stehen. Blöd ist nur, dass man auf Deck 4 genau auf Hafenhöhe ist und dann doch lieber mal den Vorhang zuzieht.

 

Pinke Taxis und Kids Zone am Flughafen Dubai

Der Flughafen in Dubai (DXB) ist groß, verdammt groß. Tausend Flieger starten und landen hier täglich. Und weil das noch nicht genug ist, wird er auch noch erweitert. So viel dazu. Wir sind mit Emirates von München nach Dubai und auch wieder zurück geflogen, ganz ohne uns zu verlaufen.

Emirates Buggy Verleih

Leih-Buggy von Emirates am Flughafen Dubai.

Nach der Ankunft in Dubai stehen Leih-Buggys („stroller“) bereit, die man nutzen kann, falls man seinen eigenen Wagen als Sperrgepäck aufgegeben hat. In unserem Fall waren gerade alle vergriffen, aber wir waren ja ohnehin mit Trage unterwegs.

Von der Ankunft geht es mit einem kleinen Zug zur Gepäckausgabe.

Bei der Einreise werden Familien mit kleinen Kindern einer anderen, kürzeren Warteschlange zugewiesen. An dieser Stelle ein Dankeschön an unseren Sohnemann, der uns im Urlaub öfter mal das lange Warten erspart hat.😉

Flughafen Dubai Pink Taxi

Pinke Taxis haben Kindersitze.

Wer mit Kind vom Flughafen aus weiter reisen will, kann Ausschau nach pinken Taxis halten. Diese sind nämlich Familien-Taxis mit weiblichen Fahrern und Kindersitz an Bord. Wir haben einfach ein Shuttle genommen, das zu unserem Kreuzfahrtschiff fuhr. Das hat bei Aida 15 Euro pro Person gekostet. Mit Taxi kostet die Strecke nur 20 Euro.

Auf dem Rückweg waren wir ziemlich früh dran, weil wir um elf Uhr das Schiff verlassen mussten und unser Flug erst um half fünf ging. Gut wenn man dann weiß, wie die Zeit sinnvoll vorbeigeht: Beim Food Court befindet sich ein richtig großer Spielplatz, bei dem man ältere Kinder sogar in Betreuung geben kann um in Ruhe shoppen zu gehen. Unser Krabbler freute sich über die weite, hügelige Experimentierfläche. Nicht lange, und wir hatten eine Traube Kinder aus aller Herren Länder bei uns, die ihm überallhin folgte. Er hat eben so ein einnehmendes Wesen.😉

Zur „Kids Zone“ gehören auch so eine Art Umkleidekabine und die Möglichkeit, Essen zuzubereiten. Wickelmöglichkeiten gibt es außerhalb des „Kinderzimmers“ in den Behindertentoiletten der Männer und Frauen direkt nebenan. Die Kids Zone ist übrigens auf dem Plan nicht eingezeichnet, sucht also einfach nach dem Food Court.

Dubai Airports Plan B Gates.jpg

In der Nachbarschaft zur Kids Zone gibt es auch einen Miniatur-Garten, der eine schöne Alternative ist zu den unpersönlichen Wartebereichen am Gate.

Andrea Ilsemann von lifeiaintoverde.JPG


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Ausstattung fürs Fahrrad-Fahren mit Kleinkind

Seit ein paar Monaten sind wir auf dem Fahrrad zu zweit unterwegs. Wisst ihr, was da so alles dran hängt? – Aber Aufwand und Kosten lohnen sich, wenn man so einen Radl-begeisterten Knirps wie meinen Junior hat: Noch ehe er ohne Hilfe stehen und laufen konnte, krabbelte er schon zu meinem Fahrrad, versuchte sich hoch zu ziehen und irgendwie auf das Pedal zu klettern. Und auch wenn er nie ein Fan von Mützen war, in seinen Fahrradhelm war er ab dem ersten Tag verliebt. Wenn ich ihn nur etwas im Garten auslüften will – und weder Lust noch Ausrüstung dabei habe – sprintet er zum Rad hin. Und wenn ich ihm in der Krippe den Helm aufsetze, weiß er auch gleich, was Sache ist.

Ich habe auch meinen Spaß bei den Fahrten mit ihm. Es ist weder einsam noch langweilig, ich werde auf die spannenden Seiten einer jeden noch so eintönigen Strecke aufmerksam und bekomme regelmäßig eine „Kribbel-Krabbel“-Rückenmassage. Wenn er mich dabei kitzelt und ich zucke oder kichere, gluckst er vor Glück.

Allerdings bin ich ein Schönwetterfahrer. Deshalb hoffe ich, dass der Sommer noch lang und der Herbst schön golden und trocken wird.

Im Folgenden habe ich zusammengestellt, was ich aktuell als zufriedenstellende Ausrüstung für uns zwei erachte.

Fahrradfahren mit Kleinkind

Vor Kurzem kam ein neues Fahrrad, Marke Conway, in den „Stall“: Mein zehn Jahre Altes hatte gute Dienste erwiesen, aber immer mehr Macken gezeigt. Das Neue ist etwas leichter, hat keinen Gepäckträger und einen tiefen Einstieg. Das Damenfahrrad hat sich für mich als praktischer erwiesen, da ich mein Bein ja nicht unbekümmert über den Sattel auf die andere Seite schwingen kann. Für den schweren Gepäckträger habe ich keine Verwendung, wenn der Kindersitz ihn überdeckt. Wie am alten Fahrrad sorgt wieder ein Doppelständer für etwas Stabilität, wenn ich Junior in den Sitz setze und anschnalle.

Kinderthron

Wir haben das wohl am häufigsten in Deutschland genutzte Modell von Kinderfahrradsitzen: den Relax von Kettler (rund 120 Euro). Die Montage ist – dem Zusehrn nach – einfacher als erwartet. Entscheidend für das Gelingen ist der Abstand im Fahrradrahmen zwischen den beiden langen Röhren (entschuldigt die fehlende Fachsprache;-)). Hier muss die Halterung Platz finden. Der Kindersitz lässt sich auf zwei Schienen vor- oder zurückschieben, damit reguliert man den Abstand zum Fahrradsattel. Einmal montiert, lässt der Sitz sich seeehr einfach rauf- und runternehmen, indem man die „Gabel“, die ihn mit dem Fahrrad verbindet, in die Halterung steckt. Das Kind wird mit einem Gurt fixiert: Zwei Gurte laufen jeweils über eine Schulter, zwischen den Beinen kommen sie zusammen in die Gürtelschnalle. Junior macht den Eindruck, dass er den Sitz recht bequem findet. Zum Römer Jockey Comfort und dem Vergleich mit einem  Fahrradanhänger empfehle ich euch den den immer noch aktuellen Erfahrungsbericht von Katrin von Nestling.org

Einen passenden Regenschutz (Trockolino) gibt es für angemessene Preise , ist aber unbezahlbar. Das Polster des Kindersitzes abzunehmen und zu trocknen ist nämlich ziemlich kompliziert.

Helm
Kinderhelm ist Pflicht! Kind mit Fahrradhelm in XSOb ihr euch für euer Kind für einen schlichten oder glitzernden, blauen oder pinken, mit extra Sonnenschirm oder ohne, vom Discounter oder aus dem Fachhandel entscheidet – er muss mit (auf dem Kopf, mit geschlossenen Riemen – ich sehe auch manchmal anderes). Kristine von Kaaskop schreibt, dass das in den Niederlanden nicht so selbstverständlich ist.

Kurz nach dem Kauf habe ich auf einem anderen Blog von Helmen erfahren, die einen Magnetverschluss haben – da muss man sich nicht mehr fürchten, Haut einzuklemmen. Die Marke heißt Nutcase, der Kinderhelm mit unterschiedlichen Motiven „Nutty“. Junior ist in seinen Helm auch so verliebt. Die Stiftung Warentest hat kürzlich ebenso Fahrradhelme für Kinder getestet (Link).

Weil Nutcase tolle Designs verwendet, endete auch die Suche nach einem Helm für meinen eigenen Kopf. – Meine Eltern freut’s auch.🙂 Den 310 Gramm leichten „Metroride“ habe ich im Design „Browndana“ (rund 90 Euro). Mir ist es wichtig, dass der Helm auch auf dem Schoß oder in der Hand eine gute Figur macht, leicht und kompakt ist, dann stört er nicht so beim U-Bahn-Fahren.😀 In der Tat habe ich mich schnell daran gewöhnt.

Wenn Junior müde wird, muss auf jeden Fall ein Schnuller her. Weil es gar nicht mal so viel Spaß macht, den alle 50 Meter wieder einzusammeln, ist das Fahrrad mittlerweile der einzig verbliebene Einsatzort der Schnullerkette.

Fahrradlenkerkorb
Mit Kindersitz fallen drei Transportmöglichkeiten weg: Gepäckträger, Packtasche und Rucksack – es sei denn, man hat ein Lasten- oder Hollandrad mit Gepäckträger vor dem Lenker. Es gibt aber ein paar Alternativen. Ich habe mich letztendlich für einen Lenkerkorb (De Lux, 18 Euro) entschieden, der sich einfach abnehmen lässt und auch fast wasserdicht ist. Auch ist er schön bunt, was die Sichtbarkeit im Straßenverkehr erhöht. Die Schwachstelle ist das zu transportierende Gewicht in Kombination mit der Befestigungsmethode; belädt man den Korb etwa für einen kleinen Einkauf mit den theoretischen vier Kilogramm, droht der Korb abzubrechen. Für weniger – also Handtasche, bisschen Zeug fürs Baby – ist er super. Unsere beiden Helme passen easy zusammen rein. Wenn der Korb zu schwer oder zu hoch beladen ist, leidet das Lenkverhalten. Es wäre auch denkbar eine Gepäckträger-Verlängerung zu montieren, da fehlt mir dann aber die Kompaktheit (und es wäre mir zu aufwendig). Im Nachhinein habe ich dann noch den Tipp bekommen, dass nicht nur Hollandräder einen Gepäckträger vorne haben können. Ein normaler „Lowrider“ lässt sich an Fahrräder ohne Federgabel montieren – ich werde mal recherchieren, ob es auch mit möglich ist.

Nackenhörnchen zum Schlafen auf dem Fahrrad
Ein großes Problem finde ich es, wenn ein Kind im Fahrradsitz einschläft. Das passiert auf längeren Touren, aber auch auf der Heimfahrt vom Schwimmbad. Zwar wird dank des Gurtes der Oberkörper aufrecht gehalten, aber der Kopf rollt mehr oder weniger unkontrolliert herum. Ich habe viel gesucht, welche Lösungen es dafür gibt, es gibt viele Foren-Einträge, wo es genau darum geht. Es gibt wohl zum einen Fahrradsitze, die sich in eine bequeme, Halb-Liege-Position stellen lassen. Unserer ermöglicht immerhin mit der leicht zurückgeneigten Lehne eine Relax-Position, das reicht aber nicht. Stattdessen habe ich Junior ein spezielles Schlafpolster besorgt, das mit Klettverschluss am Sitz befestigt ist und das seinen Kopf sehr fest hält.
Das einzige Produkt gibt es von der Firma Sandini, für rund 40 Euro.
Die Größe S ist ab 9 Monaten bis zu 12 Jahren gedacht (XS für Babys) und nach Herstellerangaben für Fahrrad, Anhänger, Auto und Trage geeignet. Ich habe unter den Rezensionen zu diesem Produkt auch Kritik gelesen, dass es das Polster beim schlafenden Kind so schwer anzubringen sei. Das kann ich nicht bestätigen. Man kann alles vorbereiten und braucht nur noch mit dem Klettverschluss beide Hälften miteinander verbinden.


Welches Zubehör zum Fahrrad könnt ihr noch empfehlen? Könnt ihr euch auch eine der folgenden Lösungen für euch vorstellen oder mögt ihr es lieber konventionell? https://fahrradzukunft.de/8/baby-biker/ https://porterlight.com/about-the-bikes.html 


Lesetipp:

Es geht aber auch ganz anders: Schaut mal, wie Kristine von Importkaaskop ihr Kind durch Holland kutschiert!

Gastbeitrag: Radlfahrn mit Kind auf Holländisch

Der folgende Beitrag übers Fahrradfahren mit Kind, niederländische Gepflogenheiten und spannendes Zubehör für den Drahtesel kommt von Kristine von „Importkaaskop„. Kristine (30 plus irgendwas) lebt seit über 10 Jahren mitten unter unseren  niederländischen Nachbarn – daher der Name ihres Blogs: kaaskop heißt nämlich Holländer (>Namensherkunft).

Liebe Kristine, vielen Dank für deine Erfahrungen und Einblicke!

Kristine.jpg„Fahrräder“ gehört wohl auf jeden Fall zu den ersten Dingen, die einem zu Holland einfallen. Holländer werden schließlich quasi mit dem Sattel unterm A…, äh, Po geboren und sogar ich als Importkaaskop habe mehr als ein Fahrrad. Der kleine Kaaskop hat mit seinen viereinhalb Jahren zu Beginn der Sommerferien auch bereits sein zweites Fahrrad bekommen, weil das kleine Rote mit den Stützrädern, das er zum dritten Geburtstag bekommen hatte, zu klein geworden war. Seit kurzer Zeit nach seinem vierten Geburtstag fährt der kleine Kaaskop ohne Stützräder, und dieser Familienmoment Nr. 19  markierte das Ende der Ära Kinderfahrradsitz.

Ära klingt jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber der kleine Kaaskop wird tatsächlich schon mit dem Fahrrad transportiert, seit er sechs Monate alt war! Hier in Holland gibt es nur 13 Wochen Elternzeit (unbezahlt obendrein) und da ich meinen Job nicht aufgeben wollte, kam mein Sohn schon mit knapp sechs Monaten für drei Tage die Woche in die Kita.

importkaaskop Gastbeitrag bei lifeiantover Fahrradkindersitz

Wer hat das schon auf deutschen Straßen gesehen? Ein Maxi Cosi auf dem Fahrradgepäckträger! Das funktioniert wohl nur auf dem robusten Hollandrad.🙂

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Wohin zum Essen mit Kleinkind in München? (Teil 2)

Es ist nicht lange her, dass ich eine kleine Übersicht erstellt, welche Münchner Cafés und Restaurants für Kinder gut geeignet sind. Bei Biergärten hat man in München häufig einen Spielplatz in der Nähe und viel Bewegungsfreiheit.

Café, Gelateria und Pizzeria in Aumüllers Brotfabrik

Aumüllers Brotfabrik (9)Die Brotfabrik ist sehr freundlich und hell gestaltet und ist sowohl Backstube als auch Café. Drinnen gibt es unterschiedliche Sitzbereiche, von Barhockern an Stehtischen über klassische Restaurant-Tische bis zu Sofas. Entlang einer Seite findet man die Kuchentheke, den Kassenbereich und im Hintergrund die offene Backstube; die Besucher können also beim Brotbacken zusehen.

Tagsüber befindet sich hier ab 7 Uhr morgens eine große Bäckerei, man kann sich zum Kaffeetrinken treffen, leckeren Kuchen, selbst gemachtes Eis und wechselnde warme Gerichte essen. Es lässt sich auch toll frühstücken oder brunchen; neben den zu erwartenden Bäckerei- und Konditorei-Spezialitäten zählen unter anderem frisch gepresster Orangensaft, Salate und Rührei zum Angebot.

Es gibt auch einen Außenbereich zum Sitzen, der vom Parkplatz zwar nicht getrennt ist, aber an einer relativ ruhigen Straße liegt.Wenn das Eis-Wägelchen nicht auf dem Parkplatz steht oder verliehen ist, ist es direkt am Eingang geparkt. Das Eis ist zwar einfach, aber ich finde es immer toll, wenn etwas selbst hergestellt wird.

 

Zwischen 17 und 21 Uhr bekommt man werktags auch Pizzen, die eine interessante Form haben, etwas teurer sind, aber sehr lecker. Ich habe beim letzten Mal „Süße Birne“ ausprobiert, mit besagtem Obst, Ricotta, Walnüssen und Schafskäse.

In der Behindertentoilette befindet sich der Wickeltisch, Hochstühle sind ein paar vorhanden. Eine kleine, abgeschirmte Spielecke sorgt dafür, dass Kinder Platz haben zum Toben, ohne dass sich andere Gäste gestört fühlen müssen. Die Wände sind mit den sehr vertrauten Verkehrs-Spielzeugteppichen bedeckt. Von oben fällt Licht ein, die Heizung befindet sich ebenfalls weit oben außerhalb der Kinderhände; ob das im Winter warm genug ist, kann ich noch nicht sagen. Ein Fensterchen lässt den Blick in den Gastraum zu. An zwei Wänden sind Kugel-Spiele angeschraubt, von denen Junior sehr begeistert war, außerdem sind große Plastik-Bauklötze gestapelt. Wer noch mehr Abwechslung will, sollte sein Spielzeug selbst mitbringen.

Auf diese Location bin ich über den mehrmaligen Hinweis in einer Facebook-Gruppe aufmerksam geworden. Die Brotfabrik ist in der Nähe der U-Bahn-Haltestelle Aidenbachstraße (U3) und nahe der Bushaltestelle Kistlerhofstraße zu finden, also etwa eine Viertelstunde entfernt vom Marienplatz. (Adresse: Kistlerhofstraße 70, Öffnungszeiten: Mo-Fr 7-21 Uhr, Sa-So 7-17 Uhr)

Biergarten Waldheim

Die Gaststätte Waldheim liegt direkt am Haderner/Fürstenrieder Waldfriedhof, ist also sehr ruhig. Bietet aber jede Menge Platz. Es gibt einen Spielplatz mit Klettergerüst und Karussell (steckt Kleingeld ein!). Die Essenspreise fand ich ziemlich günstig und die Auswahl ordentlich. Zum Waldheim gehören ein großer Parkplatz und viele Fahrradständer. Die nächste Bushaltestelle ist „Zöllerstraße“. Der Biergarten gehört zur Gaststätte, die ich aber noch nicht von innen gesehen habe – da feierte bei unserem Besuch nämlich gerade  eine Hochzeitsgesellschaft. http://www.waldheim.de/biergarten.php 

 

Und was könnt ihr empfehlen? Ich freue mich auf eure Tipps und veröffentliche sie auch gerne mit Foto – oder teste sie selbst, um sie demnächst vorzustellen.

Wildpark Poing im Video – Ausflugsziel mit Kind nahe München 

Der Wildpark Poing ist für mich eine echte Alternative zum Zoo für einen Ausflug mit Kind im Münchner Raum – erst recht, seit Junior die Welt auf zwei Beinen unsicher macht. Die Eckpunkte und einige Bilder findet ihr hier:  Unterwegs im Wildpark Poing (Galerie) . Jetzt gibt’s auch noch ein kleines Video mit Junior. Viel Spaß damit!